Ich sehe was, das du nicht siehst

Wikipedia sagt, „Realität ist […] dasjenige, dem „Bestimmtheit“ zugeschrieben werden kann.“
Soll heißen, Realität ist das, was mit allen Sinnen erlebt, beständig und wahr ist.
Wenn man träumt, hält man den Traum in der Regel für Realität. Man erlebt ihn mit allen Sinnen, was passiert hat Hand und Fuß, man spürt Schmerzen, Gefühle und Temperaturunterschiede. Ist ein Traum also Realität? In dem Moment ja. Ein Fiebertraum wird nur von einem selbst erlebt, in diesem Augenblick aber, sei man sich der Halluzination nun bewusst oder nicht, sind die Empfindungen zumindest im eigenen Kopf real.
Bei drogeninduzierten Halluzinationen ist das genau so. Ich spreche vielleicht aus spärlicher Erfahrung – die Auswirkungen LSDs und anderer stark halluzinogener Drogen befinden sich noch nicht in meinem Repertoire erzählbarer Geschichten, dennoch kann ich auf ein paar kleine polytoxikomanische Erfahrungen zurückgreifen, die durchaus als „nicht real“ im gesellschaftlichen Sinne betitelt werden können.
Liegt man beispielsweise an einem warmen Sommermorgen im Sand eines kleinen Flussstrandes, zugedröhnt mit diversen chemischen und natürlichen Drogen, nicht begreifend, dass die kleinen bunten Tiere, die da am Himmel auf und ab tanzen und sich gegenseitig jagen in Wirklichkeit Drachen sind, um nach etwa drei Stunden der Faszination und Frage was das eigentlich ist sich zu kugeln vor Lachen, weil es einem bewusst wird, dann könnte man wohl von geistiger Verwirrung sprechen, dem Fehlen der Fähigkeit die einfachsten Dinge miteinander zu verknüpfen und in einen logischen Zusammenhang zu bringen. Kommt dazu noch das definitive optische Wahrnehmen von Regentropfen auf dem fernen Wasser, obwohl es knapp 20º ist und kein Wölkchen am Himmel zu sehen, würde ich durchaus von einer Halluzination ausgehen, obgleich einem wohl die Surralität des Ganzen bewusst ist. So oder so, das Erlebte ist als Erinnerung gespeichert, so und nicht anders und so habe ich es wahrgenommen – erlebte Realität.

Im Moment ist Realität dagegen etwas völlig Anderes. Es ist immer weiter laufen, laufen, laufen ohne vom Fleck zu kommen. Es ist schwitzen, Muskelkater, Endorphinschübe nach dem letzten Satz. Es ist die erste Kippe am Morgen vor Schichtbeginn, die Schwindel auslöst. Es ist meine beste Freundin sehen und zu platzen vor Freude. Es ist kleine Klötzchen von links nach rechts arrangieren, auf Play drücken und schier zu sterben weil die eigene Musik so geil ist. Es ist mit ihm etwas unternehmen und wissen dass der die Amphe nicht mehr braucht um durch den Tag zu kommen – wieder Endorphinschub.
Wir sind nun knapp anderthalb Jahre zusammen und ich kannte ihn nicht wirklich ohne. Habe ihn in einer Phase kennen gelernt, in der er 10 Gramm in einer Woche gezogen hat. Man hat es so hingenommen, gewusst dass man es irgendwann in den Griff bekommt.
Aber diese Geschichte hat einen eigenen Beitrag verdient.

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