Abstand

Die letzten 2 Monate waren für M. und mich nicht leicht. Überhaupt nicht leicht. Und ich rede hier nicht von 2 „schwierigen“ Monaten, wie als ich arbeitslos war und damit zurechtkommen musste. Nein, die letzten 2 Monate waren echt hart. Wir haben Probleme. Mit dem Leben. Miteinander.

Gott, das liest sich als wären wir die mega Absturzopfer die auf ihr Leben nicht klarkommen; wir gehen beide arbeiten, wohnen in einer hübschen kleinen 2-Zimmer-Wohnung, investieren unser Geld nicht nur in Drogen und haben vor allem noch alle Zähne. Und Haare. Und keine Krankheiten. Zumindest nicht dass ich wüsste.
Nein, wir haben eher Probleme in unserem gemeinsamen Leben weil wir im Moment schlecht miteinander zurecht kommen. Oder besser gesagt, er kommt schlecht mit mir zurecht, bzw mit meinen depressiven Schüben die mich nicht zur Arbeit gehen, den ganzen tag im Bett liegen und in Selbstmitleid ersaufen lassen. Deshalb hat er wieder angefangen zu ziehen, sagt er. Weil er mit mir auf Partys gegangen ist nach unserer 2-monatigen Abstinenz, mir ging es schlechter, meine Depression kam wieder raus und zwar so heftig dass ich am Wochenende nicht anders konnte als so übertrieben feiern zu gehen, dass ich einfach nur vergesse wie ich in der Woche morgens grundsätzlich schon heulend aufwache und Angst vor der Zukunft habe. Weil er nicht damit umgehen konnte und sich so hat runterziehen lassen, dass auch er am Wochenende einfach nur vergessen wollte. Und eines Montags war er dann halt einfach so fertig, dass er ohne eine Nase nicht zur Arbeit gegangen wäre. Und den gut bezahlten Job in einer Traumfirma verlieren ist keine Option. Und so hat es sich wieder in ein alltägliches Problem gewandelt, obwohl wir beide so glücklich waren, dass alles vorbei war…

Das ist das Eine. Das Andere ist meine Situation an sich, die ja eigentlich seit 2 Wochen wieder gut ist, da auch ich einen gut bezahlten Job in einer tollen Firma gefunden habe. Aber bis dahin war ich unglücklich in meinem alten Job, der mich so viel Nerv gekostet hat, dass für M. davon nichts mehr übrig blieb. Das, gepaart mit existenziellem Nichwissen, wo es hingeht und dem dringenden Wunsch, mich weiterzuentwickeln und nur auf mich selbst zu hören, resultieren in gegenseitigem Unverständnis. Natürlich gibt es noch mehr Einzelheiten die da mit reinspielen, aber wenn ich versuchen würde, alles davon aufzuzählen und in Zusammenhang zu bringen, würde dieser Blogeintrag mit Sicherheit von niemandem zuende gelesen werden, abgesehen davon, dass ich etwa eine Woche daran sitzen würde.

Fakt ist, wir fangen an uns gegenseitig auf die Nerven zu gehen, vielleicht auch weil wir uns irgendwo zwischen Phase 3 und 4 unserer Beziehung befinden (Ich empfinde dieses Phasenmodell als durchaus logisch, wenn auch sicherlich nicht universell einsetzbar). Zumindest geht es mir so und ich denke schon, dass es ihm auch so geht, wenn ich es auch schlecht einschätzen kann, weil ich recht selbstbezogen bin im Moment.

All das führt mich zu dem Schluss, dass wir beide etwas Abstand voneinander brauchen und da er eigentlich kein Hobby hat oder Menschen die er regelmäßig trifft, liegt es an mir, diesen Abstand zu schaffen. Ein erster Schritt war die letzte Woche; meine mutter und ich haben 5 Tage Ulaub in Barcelona gemacht. Es war herrlich, jeden Tag Sonne pur, mindestens 25 Grad, das Meer lud zum drin Baden ein und die Altstadt – oooooh diese Altstadt, ein Traum (Reisebericht folgt)! Wir haben es uns so richtig gut gehen lassen. M. tat mir schon etwas leid, schließlich musste er arbeiten und auch er ist einfach nur reif für die Insel.
Seit Freitagabend bin ich nun wieder zu Hause und ich kann noch nicht beurteilen, ob die 5 tage Abstand es besser gemacht haben. Eigentlich haben wir uns Donnerstags sogar richtig gestrittenn (über Telefon versteht sich) und Freitags nach meiner Ankunft auch. Sonntag hab ich Drogen genommen und war heute nicht arbeiten. Ich weiß auch nicht… es gibt keinen Grund unzufrieden zu sein, also mach ich mir welche. Meine kleinen depressiven Anwandlungen bzw. Schweinehundangriffe, die mich entweder Probleme sehen lassen wo keine sind oder unnötigerweise welche machen lassen, als hätte sich mein Unterbewusstsein gegen mich verschworen. Oder umgekehrt. Vielleicht habe ich auch nur zu viel Angst, auf mein Unterbewusstsein zu hören und anzuerkennen, was richtig und wichtig für mich ist weil ich immer den leichten Weg gegangen bin. Naja nicht immer. Aber immer wenn es schwierig wurde.

Also so richtig schwierig.

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