Angst und Ego

Ich habe die ersten 30 Jahre meines Lebens versucht etwas zu werden.

Ich wollte gut werden.

Ein guter Tennisspieler, ein guter Schüler, etc.

Alles was ich aus diesem Blickwinkel sah, war:

Es ist nicht ok wie ich bin, ich muss gut werden.

Dann begriff ich, dass ich das Spiel nicht verstanden hatte.

Das Spiel ist:

Herausfinden, was ich bereits bin.


Was wir lernen, wenn wir in diese Welt kommen, ist, dass wir unvollkommen sind. Dass wir lernen müssen, wie man sich verhält und wie man sich nicht verhält. Was man sagen muss und was man nicht sagen darf. Welcher Glaube richtig ist und welcher falsch ist. Was schön ist und was hässlich. Was gut ist und was böse. Wir lernen zu unterscheiden zwischen richtigen Menschen und falschen Menschen.
Wenn ich mich nicht richtig verhalte, mache ich einen Fehler oder werde bestraft.
Wenn ich was Falsches sage, lacht man mich aus oder hasst mich.
Wenn ich an den falschen Gott glaube, komme ich in die Hölle.
Wenn ich hässlich bin, wird mich niemals jemand lieben.

Ich habe Angst vor Strafe, Angst vor Ablehnung, Angst vor der Hölle und Angst davor, nicht geliebt zu werden.

ANGST

ist das, was mich dazu antreibt, mich einer Gesellschaft unterzuordnen, die mich als minderwertiges Wesen darstellt. Ich mache den Fernseher an und das Erste was ich sehe, ist Lena Meyer-Landrut, die mit ihren perfekt gestylten Haaren und glatt-gespachtelter Haut von glossy-glänzenden Farbreflexen schwärmt und sagt

„Wir sind es uns wert.“

Was bedeutet dieser Satz? Wir sind es uns wert. Was denn bitte? Sind wir es uns wert, ein Vermögen für Kosmetikprodukte auszugeben, die unsere Fehler verstecken sollen, um das inszenierte Schönheitsideal, das uns vorgegeben wird, nachzuahmen?
Warum? Weil wir Angst haben, hässlich zu sein und ausgeschlossen zu werden. Darum inszenieren wir ein Bild von uns in die Gesellschaft, das den Normen und Vorgaben entspricht. Und „soziale“ Netzwerke wie Facebook steigern das Ganze Konstrukt auf eine ganz neue Stufe. Aber das geht nun zu weit in eine andere Richtung.

5 Affen

Ich habe mal von einem Experiment gelesen, von dem ich nicht weiß, ob es so wirklich durchgeführt wurde, aber es beschreibt ganz gut das Prinzip, das hinter der inszenierten Angst steckt:

5 Affen werden gemeinsam in einen Käfig gesperrt. In einer Ecke des Raums befindet sich eine Leiter mit einem Leckerli an der Spitze. Keine Frage, einer der Affen will sich den Leckerbissen holen. Sobald er aber die Leiter berührt, werden alle Affen mit kaltem Wasser bespritzt. Jedes Mal, wenn einer der Affen versucht, sich das Leckerli zu holen, werden also alle bestraft. Es dauert nicht lange und die Affen lassen die Leiter links liegen und beschäftigen sich mit anderen Dingen.
Dann wird einer der Affen ausgetauscht. Der neue Affe weiß nichts von der Strafe und will sich natürlich das Leckerli holen, doch zu seinem Entsetzen wird er, sobald er das versucht, von den anderen Affen angegriffen und abgehalten, auf die Leiter zu klettern. Auch dieser Affe lernt, dass das Erklimmen der Leiter zu einer Strafe führt. Nach und nach werden alle anderen Affen ausgetauscht, jedes Mal mit dem selben Ergebnis: der neue Affe wird gewaltsam davon abgehalten, sich den Leckerbissen zu holen.
Am Ende sitzen 5 Affen in dem Käfig, die sich nicht trauen, das Leckerli zu holen, aus Angst vor der Strafe, und das obwohl sie keinen blassen Schimmer haben, warum. Das macht man hier halt so.

Und genau so funktioniert dieses System, das uns daran hindert, uns zu entfalten. Medien geben uns vor, was normal ist und machen Angst vor dem was passiert, wenn man nicht normal ist. Sie geben uns vor, dass man Angst vor Falten und Orangenhaut haben muss, Angst vor dem Altern. Sie sagen uns, dass wir es uns wert sein sollten, mit chemischer Spachtelmasse sämtliche Fehler auszumerzen, um perfekt zu sein. Wenn ich in den Fernseher schaue, schreit jede einzelne Werbung mich an mit „du darfst nicht hässlich sein“, „du darfst nicht müde sein“, Werbeplakate von McFit und Lacoste zeigen mir, WIE dünn ich sein sollte und projezieren ein Bild von der Realität in unsere Köpfe, das so gar nicht existiert!

Was ist Realität?

Wir empfinden als real, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen. Was wir sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen, das ist unsere Realität. Unsere linke Hirnhälfte verarbeitet alles, was rational ist; Mathematik, Logik, Wissenschaften, Zusammenhänge usw. Die rechte Hirnhälfte beschäftigt sich mit Bildern, Symbolen, Krativität, Abstraktion usw.
Schon von kleinauf wird unser Hirn darauf getrimmt, sich auf die linkle Hirnhälfte zu konzentrieren – wir werden dartauf trainiert, rational und logisch zu denken. Und in unserer rationalen und logischen Welt ist kein Platz für Thelepathie, Spiritualität, Übernatürliches. In der Schule gilt es, festgelegtes Wissen anzuerkennen, zu wiederholen und auf Befehl abrufen zu können. Die Kinder, die in der Schule genau das mit Bravour beherrschen, werden später Entscheidungsträger und Führungskräfte in Wissenschaft, Medizin, Politik…
Wie viele Berichte gibt es von Menschen, die über tausende Kilometer hinweg wussten, dass einem geliebten Menschen etwas passiert war? Wie erklärt man sich die unendlich tiefe Verbindung zwischen Zwillingen? Wie kann es sein, dass man in einem Zustand feinstofflicher Gelöstheit, während der materielle Körper noch meditierend dasitzt, eine Nummer auf einem Zettel lesen kann, der unerreichbar versteckt wurde(Eine Erfahrung die ich bereits selbst gemacht habe)?

An dieser Stelle möchte ich gerne die Geschichte einer Frau erzählen, die ich lange und gut kenne. Sie war einverstanden als ich fragte, ob ich darüber in meinem Blog schreiben darf – mit der Voraussetzung, ihren Namen und unser Verhältnis zueinander vertraulich zu behandeln.
Die Frau lebte jahrelang mit einem Partner zusammen, den sie immer weniger und weniger liebte. Sie fühlte sich seelisch von ihm misshandelt, konnte sich aber einfach nicht von ihr kennen. Sie lebte das typische Bild einer emotionalen Abhängigkeit.
Ihr Leben lang hatte sie immer an Gott geglaubt – nicht an das von der Kirche vorgegebene Bild von Gott, sondern an eine höhere Macht, eine allumfassende Intelligenz, die Schöpfung und Seele war. Von einer Freundin, die selbst sehr esoterisch ausgerichtet war, hörte sie von einer Art Guru, dem in Indien viele Menschen folgten und der als Gott verehrt wurde, weil er wahre Erleuchtung erfahren hatte. Die Freundin riet der Frau, diesen Guru in Gedanken um Hilfe zu bitten.
Ich weiß nicht, wie viel Zeit inzwischen vergangen war, aber mittlerweile empfand die Frau ihre Situation als unerträglich. Sie wollte raus aus diesem Leben, raus aus der Abhängigkeit, sich entfalten und frei sein! Am Abend lag sie im Bett und betet zu dem Guru. Sie entschuldigte sich sogar bei dem „Gott“ an den sie eigentlich glaubte aus Angst, dass er ihr das Fremdbeten böse nahm. Ihre Gedanken richteten sich also an den Guru, doch sie bat ihn nicht darum, ihr Leben zu ändern. Nein, sie betete zu ihm in der Hoffnung, dass sie die Kraft finden möge, den richtigen Weg zu gehen. Sie bat um ein kleines Bisschen Energie damit sie es schaffte, die richtige Entscheidung zu treffen.
Mit einem Mal wurde ihr ganzer Körper von einer Wärme durchflutet, die sie kaum mit Worten beschreiben konnte. Sie tauchte in ein Licht ein, so unendlich hell, wie sie kein Licht der Erde kannte. Die Liebe die sie plötzlich empfand war so überwältigend und doch so vertraut, als habe sie nie eine andere gekannt. Sie war vollkommen zufrieden, Eins mit sich selbst und allem um sie herum und Anhst existierte einfach nicht. (Ich möchte erwähnen, dass die Frau, als sie mir davon erzählte, minutenlang um Worte rang, weil es ihr kaum möglich war, das Erlebte zu beschreiben.)
Als sie wieder in die körperliche Welt zurückkehrte, schlief sie sofort ein. Weder war sie im Nachhinein besonders überrascht noch entsetzt oder verängstigt von dieser Erfahrung, sie wusste instinktiv, dass sich das so gehörte und dass sie keine Angst mehr haben musste.
Kurz darauf war die kraftraubende Beziehung vorbei, die Frau konnte endlich ausbrechen aus diesem Teufelskreislauf und sich entfalten, leben wie sie wollte! Es dauerte nicht sehr lange und sie lernte einen Menschen kennen, mit dem sie nun schon viele Jahre glücklich zusammenlebt. Sie tut, was sie möchte, sie ist glücklich und vor allem hatte sie keine Angst mehr.

Ich habe drei Theorien, was dieser Frau passiert sein könnte.
a) Sie hat geträumt und ihr Unterbewusstsein hat ihr das gegeben, was sie brauchte, um das alles zu verarbeiten und eine Entscheidung zu treffen.
b) Sie hat halluziniert – ein Selbstschutzmechanismus im Gehirn hat dafür gesorgt, dass sie sich aus ihrem geistigen Gefängnis befreien konnte.
c) Es war real und sie hat gesehen, was die wahre Realität ausmacht.

So oder so; das Ergebnis war der Verlust von der Angst, die sie gelähmt hat.

Dein größter Feind ist deine eigene Selbstwahrnehmung, deine eigene Ignoranz, dein eigenes EGO

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2 Gedanken zu “Angst und Ego

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