Meins und Deins

Knapp anderthalb Monate lebe ich nun schon in meinem kleinen Reich, das nicht so geworden ist wie ich es mir vorgestellt habe. Nein, es ist noch viel besser. Die Wohnung an sich ist perfekt, die Größe, die Raumaufteilung, 2. Stock und im Frühjahr bekomme ich sogar noch einen großen Westbalkon, was Blumen, Kräuter, Nachmittagssonne und wundervolle Sonnenuntergänge bedeutet!
Aber was das Allerbeste daran ist: ich kann tun und lassen was ich verdammt noch mal möchte! Ich hänge Bilder auf wo es mir passt, stelle die Möbel um bis es perfekt für mich ist, male spontan Mandalas an die Wand in der Küche und mache vor allem die Heizung an wenn mir kalt ist! (M. macht NIE die Heizung an, weil er abgehärtet und geizig ist und ich muss dann halt frieren *lach*)

Was mich dabei noch erstaunt ist, dass wir die Teilung unserer Finanzen und vor allem die Trennung der Symbiose so gut geschafft haben. Durch meine Arbeit bin ich nun auch finanziell unabhängig, ich zahle meine eigene Miete und kaufe mir was mir gefällt, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Und mal abgesehen von der finanziellen Seite: ich entscheide täglich spontan oder eben im Voraus, wann ich alleine sein möchte und wann ich Gesellschaft will. Im Moment ist dieser „Spagat“ zwischen Sozialleben, Beziehung und Alleinsein kein Spagat mehr, sondern Alltag. Und dass er damit so gut zurecht kommt, freut mich immens. Anfangs hat er noch jeden Tag gefragt ob ich vorbei komme. Dementsprechend fiel es mir nicht so leicht, nein zu sagen. Mittlerweile ist es normal, dass ich eben nach der Arbeit nach Hause fahre wenn keiner von uns was anderes sagt oder geplant hat.

Und was auch ein riesen Zugewinn ist: ich kann Abstand nehmen von seiner Sucht. Im Moment konsumiert er wieder jeden Tag. Als es anfing, hat mich das fertig gemacht. Die Enttäuschung und Angst waren für mich kaum auszuhalten. Es gab heftige Streitgespäche und ich war tagelang depressiv (und bin trotzdem arbeiten gegangen! Schulterklopfer für mich selbst.). Und nach dem letzten großen Streit, als wir schon wieder beinahe schluss gemacht haben, hatte ich diesen plötzlichen klaren Moment, als er wieder sagte, dass ich das alles viel zu sehr zu meinem Problem mache. Dass er nicht verstehe warum ich das alles so auf mich übertrage und mich fertig machen lasse. Ob ich keine größeren Probleme hätte. Zuerst hat mich das zornig gemacht. „Nein verdammt! Mein größtes Problem ist gerade tatsächlich, dass mein Freund süchtig nach Amphetamin ist und ich weiß dass es deine Psyche und unsere Beziehung zerstören wird! Tut mir sehr Leid!“
Und dann mit einem Mal – Klarheit. Ich bin doch jetzt selbstbestimmt. Und ich muss mich vor Dingen schützen, die mir nicht gut tun. Ich weiß, dass ich dieses Drama nicht noch einmal verkrafte. Vorher geh ich in die Klappse oder mache Schluss.
Und schließlich wurde mir klar, dass er Recht hatte. Ich darf sein Problem nicht zu meinem machen. Das macht mich kaputt. Und deshalb wende ich dieses Thema nun kategorisch von mir ab. Ich will nicht mehr wissen wann er wie viel konsumiert oder wie viel er einkauft. Ich komme nicht mehr mit zum Einkaufen und ich wills auch nicht mehr sehen. Wenn er konsumiert während ich da bin verlasse ich den Raum. Und wenn er mir zu drauf ist und mich nervt fahre ich eben nach Hause. Er respektiert das vollkommen und spricht auch nicht mehr mit mir darüber. Und das tut uns so unendlich gut! Ich habs nicht mehr permanent im Kopf und er ist befreit von meiner negativen Ausstrahlung. Seit die Sucht nicht mehr mein Thema ist geht es mir so viel besser!
Auch wenn ich weiß, dass der Tag kommen wird an dem ich auch das nicht mehr schaffe. Aber bis es soweit ist verschwende ich keinen Gedanken daran und genieße die neue Kraft und schöne Zeiten mit ihm.

Und zum Schluss noch was Erfreuliches: ich habe das Singen wieder entdeckt! Jetzt da ich meine Gitarre bei mir habe, bin ich jede freie Sekunde die ich nicht male, lese, koche oder bürokratiere (ein Ausdruck den ich in dieser Sekunde erfunden habe, um das Erledigen von Papierkram zu umschreiben), am musizieren. Ja, ich kann auch „normale“ Musik!

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

-Albert Einstein-

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2 Gedanken zu “Meins und Deins

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