Frohes Neues!

Drei Wochen ist es nun schon her, seit ich etwas geschrieben habe, das direkt mit meinem Privatleben zu tun hat. Liegt wohl daran, dass ich viel Zeit mit ihm verbracht habe. Ich glaube, dass die Zeit nun endlich gekommen ist, da er wirklich bereit ist, seine Sucht endgültig zu bekämpfen. Ob es für meine lieben Leser nun ersichtlich war oder nicht: ich habe mich kurz vor Silvester von ihm getrennt. Es war furchtbar. Habe einen langen Brief geschrieben, weil ich zu feige gewesen bin, es ihm ins Gesicht zu sagen. Vielleicht auch weil ich Angst hatte, durch etwas das er sagt von meiner Entscheidung abzurücken. Dann habe ich alles aus seiner Wohnung mitgenommen. Bettzeug, Klamotten, Unterlagen und die Zahnbürste. Ich glaub die war am schwersten. Habe den ganzen Tag bitterlich geweint. Und gegrinst. Hin und her zwischen Trauer und Freude. Dann bin ich nach Hause gefahren, habe sofort meine Tasche gepackt und ab zu meiner allerbesten Freundin seit immer schon.
Er hat meine Entscheidung nicht ernst genommen. Hielt es für eine Überreaktion, Resultat aus Stress und Überforderung. Schließlich einigten wir uns darauf, uns in einem Monat noch mal zu sehen. Verbrachten Silvester nicht miteinander. Ich flüchtete mich zwei Tage in Party und Drogenexzess. Er auch. Die Tage danach blieb er alleine. Und dann rief er mich Abends an. Ob er mal vorbei kommen dürfte, nur für ne halbe Stunde. Um zu reden. Na klar hab ich gesagt. Dann haben wir geredet und er erzählte mir von Erkenntnissen die er über Silvester hatte. Dass es so nicht weiter geht mit ihm. Dass er die Arbeit nicht immer als Ausrede missbrauchen darf, um weiter konsumieren zu können. Dass er nun drauf scheißt, sich krank schreiben lässt und einen letzten eigenverantwortlichen Entzug startet. Er hat geweint. Ich nicht. Habe mich seelisch abgekapselt von seinem Problem. Aber ich liebe ihn. Ich liebe das was er wirklich ist. Seine Art. Wie er mir das Gefühl gibt, dass ich in Ordnung bin. So wie ich bin. Seinen Respekt mir gegenüber. Seine kleinen Aufmerksamkeiten. Ich liebe alles an ihm wenn er nicht konsumiert, weil im Konsum all das verloren geht.
Dann hat er mir gesagt dass er mich braucht. Nicht damit ich mich um ihn kümmere während des Entzugs. Das wolle er ganz alleine schaffen. Sondern als Anker an dem er sich festhalten darf. Den er anrufen darf wenn es ihm besser geht. Der ihn besucht, damit er einen Rückhalt hat. Ich hab ja gesagt.
Am nächsten Tag waren wir bei ihm und er ging mit einem Mal an sein Eisfach, holte all die Tüten mit Amphetamin und dessen Resten, die sich in den letzten zwei Jahren so angesammelt hatten, weil er nie was wegschmeißen konnte (es könnte ja noch ein Krümel drin sein!), heraus und warf sie in den Müll mit den Worten „Das brauch ich nicht mehr. Fertig.“ Von diesem Moment an ging es ihm wunderbar. Obwohl er seit drei Tagen nicht mehr konsumiert hatte und laut bisherigen Erfahrungen im Bett hätte liegen müssen, sind wir am selben Abend noch essen und ins Kino gegangen.
Seit dem gehts uns irgendwie gut. Letztes Wochenende hatten wir eine kleine Ausrutscher-Party, weil wir davon überzeugt waren wir hätten uns unter Kontrolle. Dem war natürlich nicht so, also folgten die zwei depressivsten Tage seit langem (Blue Monday lässt grüßen). Lagen nur heulend im Bett rum. Aber haben schnell dir Kurve gekriegt, er geht brav arbeiten, ich komme mit meinen Projekten auch gut voran und zwischenmenschlich sind wir endlich wieder auf einer Ebene. Ich betrachte das ganze mit, sagen wir, verhaltenem Enthusiasmus.

Passend zum ersten Sonnentag seit Wochen war ich heute das erste Mal wieder laufen. Es ist unglaublich wie krass im Arsch ich wieder bin. Konnte nach 100m kaum mehr atmen und war nach einem halbstündigen Lauf mit mehreren kleinen Gehpausen vollkommen im Eimer. Aber hey, aller Anfang ist bekanntlich schwer. Und dem zugute kommt demnächst mein zweiter ernsthafter Versuch, nein, ich hänge bald das Rauchen an den Nagel. M. und ich haben uns je eine Packung Tabex bestellt. Ein pflanzliches Medikament mit dem Wirkstoff Cytisin, das die Rezeptoren im Gehirn blockieren soll, an denen das Nikotin wirkt. Resultat ist nach ein paar Tagen, dass man Zigarettenrauch als zunehmend eklig und kratzig empfindet, einem wird unwohl und schließlich stellt sich auch das Verlangen ein. Die Behandlung dauert 30 Tage und meine Mutter zum Beispiel ist dank diesem kleinen Wundermittel seit fast zwei Jahren rauchfrei. Mein erster Versuch scheiterte an den regelmäßigen Partys und damit einhergehendem Drogenkonsum. Das soll dieses Mal anders sein. Keine Party mehr vor Mai. Und wenn ich Bock hab zu tanzen, mach ich die Vorhänge zu und Strobo an, meine Boxen sind gut genug und meine Nachbarn tolerant genug 😉

Soviel also zu aktuellen Geschehnissen, machts gut und lasst die Sonne rein!

Namasté

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3 Gedanken zu “Frohes Neues!

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