Die Suche nach dem Kick

Meine Mutter fuhr mit ihren Freunden oft nachts ins Autokino um einen Horrorfilm zu sehen. Danach fuhren sie auf die sogenannte Panzerstraße, eine schmale Landstraße flankiert von Flughafengelände auf der einen und Militärgebiet auf der anderen Seite, hielten mittendrauf an und gingen in den tiefen Wald. Um der Angst willen. Um des Adrenalinkicks willen. Des Rauschs wegen. Wenn man schon keine Drogen nimmt, sucht man sich eben einen anderen Rausch. Warum ist das so? Warum sucht der Mensch nach etwas… man muss wirklich sagen, nach etwas surrealem? Denn genau das ist beides. Ob man sich nun künstlichen Empfindungen hingibt, ausgelöst durch chemische oder pflanzliche Substanzen (ob legal oder illegal spielt ja keine Rolle) oder ob man Nachts in den Wald geht und sich Horrorstories überlegt, um Angst zu haben. Das Ziel ist der Rausch. Das Abnorme, nichts reale, der Push.
Ist es Flucht? Ist das Gehirn so vollgestopft mit Realem, Rationalem, Begrenzbarem, dass es krampfhaft nach etwas sucht, das dem widerspricht? Das die Fantasie anregt? Sagen wir mal es wäre so. Wozu das dann? Evolutionstechnisch gesehen hat dieser Rausch ja keine überlebenswichtige Funktion. Im Mittelpunkt steht die Euphorie, die folgt, wenn man die Angst überstanden hat oder die Drogenwirkung einsetzt. Dazu fällt mir ein, dass ich mal irgendwo gelesen habe, unsere Vorfahren sollen, als sie noch halbe Affen waren und mit den potentiellen Beutetieren durch die Lande gezogen sind, zumindest latente Wirkungen der psychedelisch wirkenden Pilze erfahren haben, die besagte Fleischlieferanten zu sich nahmen. Und dass die Einnahme dieser Substanzen z.B. das kreative und konstruktive Denken der damaligen Fastmenschen angeregt haben soll. Überhaupt haben viele große Denker Drogen genommen. Ist das Verhalten von dem ich eingangs sprach also vielleicht doch evolutionär bedingt? Ist das Verlangen nach Rausch in Wirklichkeit das unterbewusste Bedürfnis, sich weiterzuentwickeln? Angeblich sollen ja intelligente Menschen öfter zu Drogen greifen. So rein statistisch gesehen. Was meiner Meinung nach nicht bedeutet, dass der Junkie postum intelligenter ist als der Akademiker.

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7 Gedanken zu “Die Suche nach dem Kick

  1. Ich glaub alle Tiere nutzen ihre Umgebung, einschlißlich medizinisch wirksame Pflanzen. Der Gebrauch von Drogen scheint mir natürlich, Interessant ist der Mißbrauch. Da hattest Du ja schon den Rattenpark genannt. Ich hänge da dieser archäologischen These an: Die ersten Siedlungen müssen demnach Drogen, Bier oder Hanf hergestellt haben. Denn Brotgetreide musste über Generationengezüchtet werden. Aber die Siedler brauchten in der Zeit ein Produkt, damit die Nomaden sie ernähren. Demnach wären die Drogen die Ursache für Sesshaftigkeit und Wohlstand und Kultur. Gleichzeit führt diese Lebensform der freiwilligen Käfighaltung zu Drogenmißbrauch.

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  2. Prosa ganz nach meinem Geschmack!

    Vor allem zu Ihrem Absatz den ich gleich zitiere kann ich eventuell Erhellendes beitragen:

    „Dazu fällt mir ein, dass ich mal irgendwo gelesen habe, unsere Vorfahren sollen, als sie noch halbe Affen waren und mit den potentiellen Beutetieren durch die Lande gezogen sind, zumindest latente Wirkungen der psychedelisch wirkenden Pilze erfahren haben, die besagte Fleischlieferanten zu sich nahmen. Und dass die Einnahme dieser Substanzen z.B. das kreative und konstruktive Denken der damaligen Fastmenschen angeregt haben soll. “

    Hierzu gibt es einige Forschungshypothesen versch. Wissenschaftler, die ich auf meinem Hobbyblog zusammentrage und vergleichend darstelle. Zu Ihrem Absatz zitiere ich folg. Auszug als Antwort:
    „[Der Forscher] Terence McKenna stellte die Hypothese auf, dass Magic Mushrooms und hier vor allem psilocybinhaltige Pilze der Art Psilocybe cubensis der induzierende Katalysator in der Evolution der Primaten (!!!) war, durch den die Affen zu Menschen wurden. Die könnte zum Beispiel auf die Bewusstseinserweiterung der Wirkung der Magic Mushrooms zurückzuführen seien, die ja durch ihre Wirkstoffe Psilocybin und Psilocin die Schranken des gewohnten Denkens sprengen und somit eventuell einen Durchbruch in der Selbstwahrnehmung unserer frühen Vorfahren auslösten?“ {von http://www.zauberpilzblog.net/magic-mushrooms/ wobei Dr. Rätsch‘ Lexikon hinzuhalf}

    Gerne mehr solcher Texte und Liebe liebe Grüße!

    PS: was halten Sie davon, wenn wir eine Linkpartnerschaft eingehen?

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    • Vielen Dank für den Kommentar! Ich hätte gar nicht erwartet, direkt solchen Zuspruch zu finden und dann auch noch derart fachbezogen.
      Auf Ihrem Blog werde ich mich in den nächsten Tagen auf jeden Fall einmal genauer umschauen, weil mich dieses Thema schon lange interessiert aber mir nie die richtige Literatur dazu in die Hände fiel.

      Was genau ist mit einer Linkpartnerschaft gemeint? Ich blogge erst seit ca. einem Jahr regelmäßig und bin noch ein Küken, wenn man es so will…

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    • Ich möchte hier einmal klarstellen, dass ich mit einigen Inhalten auf der verlinkten Website nicht einverstanden bin und mich ganz klar davon distanzieren! Ich denke es ist gut, sich über eine Droge die man ausprobieren möchte, gut zu informieren und das kann man auf dieser Seite. Aber Vorsicht! Der Autor behauptet, man könne keine Psychosen entwickeln, wenn man psychedelische Pilze konsumiert. Das ist einfach falsch.
      Und desweiteren rät der Autor davon ab, im Falle einer Überdosierung oder eines Horrortrips einen Krankenwagen zu rufen, weil es dann Probleme mit der Polizei geben könnte. Man solle dann lieber Benzodiazepine einnehmen um sich zu beruhigen. Dieser Rat ist so formuliert schlichtweg verantwortungslos! Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass psychedelisch wirkende Drogen manchmal latente Psychosen herausholen können und ein verantwortungsloser Umgang in Verbindung mit anderen Drogen schlimme Folgen haben können!

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