Einmal Nimmerland und zurück

Folgenden Text habe ich nicht korrekturgelesen, also entschuldigt etwaige grobe Fehler.

Samstag, 28.02.2016

[Ich fühlte mich gut an diesem Tag und meinen psychischen Problemchen erhaben. Sowohl der Wunsch, mich mit M. Zu treffen, als auch mit ihm feiern zu gehen, resultierten aus der mir innewohnenden Symbiose und dem Gefühl, diese unter Kontrolle zu haben. Mit jedem Schritt, den ich in seine Richtung tat, verlor ich diese Kontrolle aber, was sich im späteren Verlauf noch zeigen wird.]

Ich traf mich mit M., um ihm etwas zurück zu geben, das er bei mir vergessen hatte. Vorher war ich noch in der Stadt und hab mich mit dem Freund meiner besten Freundin getroffen, weil sie mir Geld schuldete und ich nix mehr im Kühlschrank habe. Fünfzig Taler reicher festigte sich da also meine Idee, an diesem Abend noch feiern gehen zu wollen. Eigentlich wollte ich alleine gehen oder mit einem guten Freund, zumindest nicht mit der Person, mit der ich in den letzten zwei Jahren immerzu feiern war. Ich wollte meine Selbstbestimmtheit feiern. Wollte selbst entscheiden können, wann ich komme und wann ich gehe und wann ich welche Drogen nahm.

Die Sonne schien aus voller Kraft und machte diesen Tag schon fast zu einem Frühlingstag. Zumindest fühlte es sich so an. Auch diesem Umstand war es zuzuschreiben, dass M. und ich uns gut verstanden, als wir uns dann sahen. Wir umarmten uns lange und gingen ein Stück miteinander. Sprachen darüber, wie es uns ging und kamen irgendwann auch auf das letzte Treffen zu sprechen und wie es ausgegangen war. Obwohl ich darüber nicht hatte reden wollen. Wir gingen nicht besonders in die Tiefe, jeder hatte Gelegenheit, zu sagen, was ihm dazu auf dem Herzen lag und gut. Irgendwie wussten wir instinktiv, wie viel wir uns zumuten konnten und wo es zu weit gehen würde. Wir fühlten uns gut damit. Er fragte was ich jetzt noch so vor hätte. Ich erzählte ihm, dass ich vorhatte, feiern zu gehen. Obwohl ich eigentlich auch das nicht wollte. Schon in diesem Moment war mir absolut klar, dass die Symbiose in mir will, dass wir zusammen gehen. Schlussendlich lief es auch darauf hinaus. Er hatte auch feiern gehen wollen an diesem Tag. Und wir waren froh, dass wir nach dem letzten Treffen, das in einem Desaster endete, Gelegenheit hatten, darüber zu sprechen. Wären wir uns zufällig auf einer Party begegnet, hätte das uns beiden den Abend versaut.

Ich fuhr vorher noch zu mir, erledigte das ein oder andere. Zwischendurch telefonierten wir. Ich wollte nicht, dass wir uns so sehr aneinander binden an diesem Abend und hielt es offen, ob ich zu ihm komme vorher, oder ob wir uns auf dem Weg treffen. Es hing davon ab, zu welcher Party wir fahren würden. Insgesamt ein sehr verwirrtes Gespräch. Ich wollte meine Freiheit nicht verlieren und er wollte eigentlich nur den Ablauf planen. Das kollidierte irgendwie miteinander.

Gegen 22Uhr kam ich bei ihm an. Ich zog mir ein, zwei Lines Amphetamin zum Einstimmen, wir hörten Musik und unterhielten uns. Hatten mittlerweile entschieden, auf welche der anstehenden Partys wir fahren würden und freuten uns darauf. Der Weg dort hin barg noch ein paar kleine Hürden, die mit Abfahrtzeiten der Bahnen und dem drogeninduzierten Unvermögen diese einzuhalten zu tun hatten. Kurz vor der Ankunft schmissen wir uns beide jeweils eine Pille. An dieser Stelle möchte ich vermerken, dass ich irgendwann den Überblick über meinen Ecstasy-Konsum verloren habe. Aus folgenden Berichten, wann ich mir was eingeworfen habe, lässt sich also keine wirkliche Menge nachvollziehen.

Sonntag

Ziemlich genau gegen Mitternacht kamen wir an, bezahlten den Eintritt und bekamen diese coole Retro-Eintrittskarte. Ich fragte, was es damit auf sich habe und der Mann an der Kasse hatte zwei gute Gründe: zum Einen kommt man damit wieder rein, falls der Stempel weggeschwitzt wurde und zum Anderen haben die Veranstalter so eine Übersicht, wie viele Leute da waren.

Vor dem Eingang gab es reichlich Sitzgelegenheiten, gemütlich gemacht durch ein paar Heizpilze, die nahe der Bänke und Stehtische verteilt waren. In der Location gab es zwei Floors auf zwei Etagen. Im Erdgeschoss hinten durch war der große Mainfloor, im Untergeschoss der kleinere Floor, auf dem ich die meiste Zeit verbrachte, weil dort eigentlich immer genug Platz zum Tanzen und die Musik einfach Wahnsinn war. Auch die Toiletten befanden sich unten, sehr vorteilhaft. Direkt nach unserer Ankunft trafen wir die tollsten Menschen. Ich sah jemanden, den ich schon seit bestimmt 6 Jahren nicht gesehen hatte und von dem ich nie gedacht hätte, ihn auf einer Goaparty wieder zu treffen! Außerdem zwei unendlich liebevolle Menschen, die ich schon einmal auf einer Goa kennen gelernt habe und über die ich mich gefreut habe wie ein kleines Kind. Einer von denen gab mir zwische durch einen Dip MDMA aus – einen sehr großen Dip, dessen wirkung mich stark an mein erstes Mal MDMA erinnerte.

Nach über einer Stunde, in der getanzt und die Location ausgecheckt wurde (Ich war ja vorher noch nie dort), gingen wir mal raus um eine zu rauchen. Mich wunderte, dass die Pille noch gar nicht einschlug. Hatte ich nen Blender erwischt (Pille ohne Wirkstoff)? Ich traute mich aber nicht nachzulegen, denn eigentlich waren diese Dinger sehr stark, so um die 200 Umdrehungen und ich wollte mir nicht schon zu Anfang die Party versauen, falls das Ding doch noch Wirkung zeigen sollte. Etwa anderthalb bis zwei Stunden nach Einnahme merkte ich dann aber auf der Toilette, dass ich bereits vollkommen drauf war. Irgendwie hatte ich den krassen Wirkungseinschlag übersprungen und war einfach übergangslos drauf gekommen. Auch mal nicht schlecht.

Die Musik war wirklich sagenhaft. Die Djs die auflegten, verstanden ihr Handwerk und ich fotografierte mir das Lineup ab, um später nach der Musik suchen zu können. Auch die Gesamtstimmung auf der Party war echt super. Im letzten Jahr ist mir aufgefallen, dass immer mehr Minderjährige, bzw. Menschen auf die Goas kamen, die einfach nur mal raven wollten und eigentlich nichts mit der Mentalität zu tun haben. Möchtegern-Gangster, die sich über die LSD-Verstrahlten lustig machten und nur rumstanden, teilweise Stress machten. Kopfnicker nenn ich sie gerne. Auf dieser Party aber waren überraschend wenig davon anzutreffen und das Publikum bestand zu 80% aus Goanauten, was der Stimmung auf jeden Fall zuträglich war. Ich tanzte und tanzte und tanzte. War überraschend wenig unterwegs um mit Leuten zu quatschen oder sonstwas zu unternehmen, was M., der sich auf Partys immer nur auf der Tanzfläche aufhält, sehr gefiel. Wir hatten unglaublichen Spaß miteinander.

Irgendwann zwischendurch, ich tanzte mich mit geschlossenen Augen in Trance, packte mich jemand am Handgelenk und zog mich mit sich. Es war M., der mich grinsend hinter sich her zog, in Richtung Bar. Und wer steht da? Wie geil! Unser „Tüp“, bei dem wir immer einkaufen gingen! Ich wusste gar nicht, dass der auch auf Partys ging, schließlich hatte er seinen eigenen Partykeller. Und tanzen konnte der auch noch! Ich freute mir nen Ast ab, stand da, mit dem fettesten Grinsen im Gesicht und umarmte ihn. Er grinste ebenfalls und drückte mir erst mal ne Pille in die Hand, bevor er uns nen Jägermeister ausgab. Was eine geile Nacht. Ich schluckte die Pille und wir stießen an, bevor er tanzend im Getümmel verschwand. Besser konnte es jetzt kaum noch werden. Obwohl – Anfangs hatte ich jemanden gesehen, mit dem ich mich vor etwa einem Jahr mal übel zerstritten hatte. Und jetzt war die Stunde gekommen! Ich suchte ihn, zog ihn an der Hand nach draußen und entschuldigte mich für mein blödes verhalten. Er freute sich riesig über meinen Schritt, wir tauschten Handynummern aus und umarmten uns. Auch M. freute das, schließlich war er mit ihn eigentlich sehr gut befreundet und durch meinen Zwist mit ihm war der Kontakt zusammengebrochen.

Die Nacht stand also im Zeichen von Friede, Freude, Pillenkuchen! Der Tüp kam immer wieder rum und drückte jedem der ihm in die Quere kam, ne Pille in die Hand, einmal ganze 5 Stück mit den Worten „Verteil die mal“. Wahrscheinlich trug auch das zur gleichförmigen Stimmung auf der Party bei. Zum Ende, also sagen wir die letzten zwei Stunden (Es waren viel weniger Leute da, sodass es viiiel mehr Platz zum Tanzen gab), tanzte ich ununterbrochen, mit geschlossenen Augen, ungeachtet der Blicke anderer Menschen. Schwitzte. Vergaß irgendwann wo ich war, schaltete mein Denken ab und mein ganzer Körper bewegte sich zur Musik, war die Musik! Ich hatte mich schon lange nicht mehr so tief und unbeschwert in Trance getanzt, es war fantastisch. Wir gehörten zu den letzten Leuten, die sich überhaupt noch bewegen konnten und stampften den Laden zusammen.

Doch irgendwann ist auch die beste Party mal vorbei. M. und ich gingen kurz vor Schluss, ich umarmte voller Dankbarkeit die wildfremden Leute, die mit uns zuletzt die Tanzfläche belebt hatten und wir gingen zufrieden und fertig nach Hause. Und waren auch heilfroh, als wir dort ankamen, es war schon ein ganz schöner Weg und wir waren total im Eimer. Verschwitzt aber immer noch hochmotiviert beschlossen wir, noch ein paar Sachen und für jeden eine Pille einzupacken und ans Wasser zu gehen, um die Sonne noch etwas zu genießen. Es dauerte ganze drei Stunden, bis wir es schafften, endlich los zu gehen. Auch dieser Weg gestaltete sich schwierig, wir mussten durch Schlamm und Morast, M. rutschte aus und fiel bäuchlings in den Schlamm – wäre er mal meinen Weg gegangen, der nicht ganz so matschig war. Und als wir dann ankamen und uns an einen Baumstamm gelehnt hinsetzten, versteckte sich die Sonne hinter einem diesigen Schleier und kam nie wieder. Tolle Wurst. Wir schmissen und zwar trotzdem die Pille, blieben aber nur eine Stunde oder so und gingen dann wieder zu ihm. Ich glaube, wir schafften es sogar, etwas zu essen. Ich weiß es nicht mehr genau. Was wir in der nächsten Nacht taten, entzieht sich größtenteils meiner Erinnerung.

Montag

Im Laufe dieses Tages kochten wir einen kräftigen Rindereintopf, um wieder zu Kräften zu kommen. Das Beste was man nach zwei durchgemachten Nächten essen kann!

Spätestens ab Mittag waren meine Emotionen ein vollkommenes Chaos. Etwa 9 Stunden lang kämpfte ich mit Verzweiflung und schlechtem Gewissen, hatte Erkenntnisse über meine Situation und schrieb zum Beispiel folgendes auf:

Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich die einzige Person die die Konsequenzen meines Handelns trägt. Zum ersten Mal gibt es niemanden, der mir zeigen kann wie das geht: sich entwickeln. Keine Freunde, die mich dazu bringen, Grenzen auszutesten. Keine Mutter mit hilfreichem Rat. Äußerlich kann ich diese und ähnliche Dinge haben, aber im Innern bin ich mit dieser Krise allein. Ja genau. Krise. Selbstfindungskrise.

Ich bin unzielentschlossen.

Ich bin ein wandelndes Dilemma.

Hatte stundenlange Heulkrämpfe, wollte sterben. Zwischendurch dachte ich wirklich, jetzt werde ich verrückt. Ernsthaft. Ich hielt mich selbst nicht mehr aus, konnte die Verzweiflung nicht ertragen. Alles brach über mich herein. Alles Negative an meiner Situation wurde mir mit jeder Minute bewusster und mit jeder Minute wusste ich weniger, was ich nun tun sollte. Das waren die schlimmsten 9 Stunden meines Lebens. M. war zum Glückda und kümmerte sich um mich, umarmte mich, war einfach nur verständnisvoll für die Tatsache, dass in meinem Kopf im Moment kein Platz ist für andere Probleme als meine Eigenen. Er ließ mir ein Bad ein, nach dem ich mich wieder halbwegs menschlich fühlte.

Abends kam noch ein alter Kollege vorbei, der uns eigentlich noch Geld schuldete und einfach von der Bildfläche verschwunden war – wie sich herausstellte, hatte er 4 Monate in U-Haft verbracht und war nun auf Bewährung draußen. Die Gespräche mit ihm, die sich um Lebensführung, Drogenhandel und Zukunftsmusik drehten, waren für M. und mich sehr interessant. Im Nachhinein, unterhielten wir beide uns nochmal bestimmt zwei Stunden darüber, waren wir doch der Meinung, dass wir in unserem Denken schon einen Schritt weiter waren als er. Es war sehr interessant durch ihn zu sehen, wie man sich in diesem Stadium vor weiterführenden Gedanken verschließt, bis man die Erfahrung selbst gemacht hat. Für mich eine sehr schöne Demonstration meiner eigenen Denkmuster vor gar nicht allzu langer Zeit.

Mein Zustand war wirklich beispiellos. Der Gedankenbrei in meinem Hirn sagte mir auf jeden Fall, dass ich hundemüde war und Schlaf brauchte. Und das ist immer so ne Sache. Wenn ich so lange wach und auf Drogen bin, kann ich mich nicht mit dem Gedanken abfinden, dass es vorbei ist, obwohl ich eigentlich gerne schlafen würde. Etwas essen hilft in den meisten Fällen, aber mein Konsum der letzten drei Tage war so unglaublich hoch gewesen, dass selbst die dicke Portion Suppe kaum dazu beitrug, dass ich müde wurde. Auch diese Tatsache trieb mich wieder in Verzweiflung. Im Nachhinein habe ich übrigens mal grob überschlagen, wie viel ich konsumiert haben könnte. Und ich kam auf irgendwas um die 10 Pillen, plusminus 2. Jeder der schon mal Ecstasy genommen hat wird sich eventuell ungefähr vorstellen können, was in meinem Hirn los war. Nichts Sinnvolles zumindest.

Wir klappten die Couch aus und ich legte mich nach dem Essen hin. Mein Mundinnenraum bestand nur aus Schmerz. Die linke Seite meiner Zunge war voller Risse vom Rumkauen, die rechte Seite voller kleiner Bläschen und meine rechte Wange war ganz hinten, wo die letzten Backenzähne sind, ebenfalls aufgekaut. Ich konnte kaum reden. War blass und hatte dunkle Augenringe. Schlief ein und wachte nach etwa einer halben Stunde wieder auf:

Unglaubliche Schmerzen waren das erste was ich wahrnahm. Vollkommen verwirrt griff ich mit den Fingern in meinen Mund, meine Zunge hing für meine Begriffe in Fetzen. Mit verklärtem Blick sah ich mich um, wo waren die Hunde!? (Wir haben keinen Hund) Da müssten doch zwei Hunde liegen? Wo war ich überhaupt? Wer war ich? Ich hätte beim besten Willen meinen Namen nicht gewusst. Mit wackligen Knien stand ich auf, sah an mir herab – ich war doch ein Hund, warum lief ich auf zwei Beinen??? Was war los mit mir??? Angst! Ich ging in den Flur, sah einen fremden Mann im Bad. „Wer zur Hölle bist du!? Was machst du in meiner Wohnung!?“ Er sah mich an und beruhigte mich, sagte meinen Namen und dass ich mich wieder hinlegen sollte, ich war in Sicherheit. Mit einem Mal wurde mir klar, dass ich auf Drogen war. Ich wusste weder meinen Namen, noch wo ich war aber als mir klar wurde, dass ich auf Drogen war und der Mann mir scheinbar nicht gefährlich, konnte ich mich beruhigen und rollte mich auf der Couch ein. Er gab mir eine halbe Schmerztablette und bald darauf schlief ich wieder ein.

Dienstag bis Donnerstag

Die nachfolgenden Tage habe ich extrem viel geschlafen und wenig gegessen. M. war scheinbar öfter wach als ich und kümmerte sich ein wenig um die Wohnung und ums Essen. Hin und wieder war auch ich aktiv genug um mich mal um ihn zu kümmern. Wir vegetierten also so in seiner Wohnung vor uns hin, wohnten quasi nur auf seiner Couch. Kuschelten viel miteinander und sprachen über uns und mich und ihn und alles drumherum. Den Gang zum Amt und alles andere Wichtige, was mit der Realität zu tun hatte, schob ich auf. Ich war so dankbar, dass ich nicht dem Wahnsinn verfallen war. Denn das wurde mir klar: wäre ich nicht bei ihm und somit gut aufgehoben gewesen am Montag, wäre ich mit Sicherheit verrückt geworden. Ich weiß nicht, ob ich alleine aus dieser akuten Psychose herausgefunden hätte. Das war kurz vor knapp.

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