To be or not to be…

Ich sitze in der Bahn und werde mir plötzlich meiner Umgebung sehr bewusst. Zu allem was ich ansehe läuft vor meinem inneren Auge ein kleiner Film ab, wie die Rohstoffe dafür abgebaut und in Form gegossen werden. Die Stahlträger vom Parkhaus. Die Plastikverkleidungen in der Bahn. Die mikrochips in dem Smartphone das ich in der Hand habe. Kleiner Kasten mit bewegten Bildern die Informationen von der anderen Seite der Welt zeigen. Ein Asiate der sich über eine Plattform im internet ein WG-Zimmer in Barcelona bucht. Alles ist vernetzt. Ich sitze in der Bahn die auf Schienen über ein Fleckchen Erde auf einer gigantischen, belebten Kugel fährt, die mit zigtausend Stundenkilometern um einen noch gigantischeren Feuerball kreist, der seinerseits durch den Kosmos rast, den wir mit unseren beschränkten Hirnen gar nicht erfassen Können! Jedes Atom ist über andere Atome mit allen anderen Atomen verbunden. Im ganzen Universum! Und selbst dort wo keine Atome sind: zwischen den Atomen herrscht doch irgendeine Kraft, die ihnen sagt, wie weit sie voneinander entfernt sein sollen. Und sei es Magnetismus, das weiß ich nicht, die physikalischen Gesetze in dem Gebiet sind mir noch zu hoch, aber da IST DOCH WAS!
Und dann schließe ich die Augen und mir wird meine Haut bewusst, die Luft um mich herum, Geräusche, rhytmische tranceartige Musik aus meinen Kopfhörern, mein Herzschlag, mein Atem, jede Zelle die arbeitet, um meinem Gehirn die Möglichkeit zu geben, wahrzunehmen, zu hinterfragen, zu erfahren!
Und wofür? Für mich, für meine Seele, dieses Ding dass ich Ich nenne, was ist das eigentlich? Eine Präsenz im Nabel meines Universums, dieses Ding das da denkt und fühlt und lernt und diesen Antrieb hat, der nicht biologisch zu erklären ist. Dieser Drang sich zu fragen, was ist da, hinterm Universum, vor dem Urknall, nach dem Ende der Welt, was?
Was bin ich, die ich in diesem Körper aus Fleisch und Blut wohne, mit dem ich diese Welt schmecken, riechen, sehen kann?

Inzwischen hat sich ein Gefühl in meiner Brust breit gemacht, irgendwas zwischen Angst und Freude, ein helles Ziehen, das bis in den Kopf reicht, ich kann es nicht richtig einordnen.
Der Zug hält an. Verpasse ich meine Haltestelle? Ich springe auf. Fehlalarm. Der Zug fährt weiter und ein kleiner Ausschnitt des Universums fliegt an mir vorbei.

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Ein Gedanke zu “To be or not to be…

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