Kristallklarer luzider Traum

Die letzten drei Tage bestanden bei M. und mir irgendwie aus Saufen (erfolgreiches Nachgehen der unbestimmten Konsumwut, die, wie im letzten Beitrag etwas wirr dargestellt, mit Frustrauchen und anschließendem Zerstören und Wegwerfen der restlichen Glimmstengel einherging. Als Extrem-Empath tun sie mir etwas Leid weil sie starben ohne ihrem Lebenssinn nachgekommen zu sein) und Schlafen. Eben, nachdem ich nach dem Frühstück lange nicht wieder einschlafen konnte, hatte ich den kontrolliertesten und sagenhaftesten Klartraum überhaupt, obwohl ich in den letzten Tagen keine Technik dafür angewendet habe. Zuerst beschreibe ich aber den normalen, wenn auch extrem realen Traum den ich in der Nacht hatte.

Raumschiff. Ich soll es von seinem Hafen durch ein Portal fliegen und steuere aus Versehen das falsche Wurmloch an. Wir geraten in den kaleidoskopartigen Strudel und ich versuche, das Schiff wieder herauszulenken -plötzlich schwarzes Bild, ich sehe eine Art riesige Münze die auf einer kleinen Kugel steht, senkrecht zweigeteilt durch eine gerade Linie. Sie droht immer wieder, von der kleinen Kugel herunter zu rollen und stellt dabei die Frage „schaffen sie es, schaffen sie es nicht?“. Meine Assoziation in dem Moment ist aber eher „Ja oder nein?“-

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Ich sehe die Münze nicht mehr fallen. Wir schaffen es nicht und landen auf einem feindlichen Planeten. Ich sehe rote zerklüftete Felsen und um uns herum Feinde, abertausende.
Ich weiß nicht mehr was dann passiert aber irgendwie kommen wir dann doch an unserem Bestimmungsort an. Meine Rolle verändert sich. Ich bin ab hier nur Passagier, vielleicht ein blinder. Die Crew, bestehend aus dem Kapitän des Raumschiffs und Dumbledore, hilft einer Gruppe hochnäsiger Frauen in meinem Alter beim Renovieren ihrer Häuser in einer Vorstadtsiedlung. Darunter A., ein verhasstes Mädchen aus der Schulzeit. Ich frage sie, ob sie mir mein Katzentattoo mit Farbe verschönert und was es kostet. Sie sagt 15€, was mich wundert. Ich versuche mit ihr und den anderen Frauen über die Dimension zu reden in der wir uns befinden aber werde nur ignoriert. Das frustriert mich. Ich gehe zum Käptn und Dumbledore und sage, dass ich weiß, dass wir in eine andere Dimension geflogen sind. Anhand ihres ernsten Schweigens erkenne ich, dass ich das wohl nicht wissen darf.
„Ich bin doch nicht blöd! Ich komme von der Erde 2016. Das hier ist nicht die Erde 2016!“
Mir wird gesagt, doch, ist es, aber eine andere Dimensionsschicht.
„Wie soll ich dann A. wegen dem Tattoo anrufen? Es gibt dann ja 2 von ihr, wie soll ich bitteschön in eine andere Dimension telefonieren?“
Das geht, sagt man mir.
Wieder verändert sich meine Rolle, ich bin männlich und stehe außerhalb der Siedlung auf einem Feld. Hinter einem Hügel sehe ich den Teufel, unseren Feind, auf uns zukommen und renne vor ihm weg, an Dumbledore vorbei. Dieser versucht, den Satan zu vertreiben, doch der macht mich zu seinem Handlanger: ich sehe nun aus wie er, meine Oberlippe wird taub und ich merke, wie mein Zahnfleisch weiter über meine Zähne wächst und das Lippenbändchen kürzer wird, sodass ich kaum noch lächeln kann. Das gefühl ist total unangenehm und ich nuss aufpassen, dass das Lippenbändchen nicht reißt. Der Fluch des Teufels zwingt mich, auf Holzpallisaden umher zu klettern und nach Kindern zu suchen um mich an ihnen zu vergehen! Das löst einen so starken Konflikt in mir aus (schließlich ist mein gutes Ich noch da drin), dass ich den Teufel aus mir vertreiben kann und erschöpft zusammenbreche, bevor ich mich zurück verwandle. Dumbledore fängt mich sachte auf.

Nach dem Aufwachen hat mich diese Diskussion um die zweite Dimension und der Konflikt mit dem Satan in mir am meisten beschäftigt. M. und ich gingen frühstücken und legten uns danach wieder hin. Ich wünschte mir, klar zu träumen und diese Dimensions-Geschichte noch mal intensiver zu erleben.

Ich gehe durch eine mittelalterlich anmutende Straße, es ist Nacht und ich werde sofort klar. Vor mir sitzt ein junges Mädchen mit ihrem Stuhl mitten auf der Straße und ich beschließe, sie anzusprechen in dem Wissen, dass sie einen Teil meines Unterbewusstseins darstellt. Sie antwortet jedoch nicht, zerfließt in eine Grimasse und ich werde rausgeschmissen (werde also wach).
Ohne diesmal eine gruselige Schlafparalyse durchwandern zu müssen, spüre ich wie ich einschlafe, mein Traumkörper beweglicher wird und ich aufstehen kann. Noch bin ich blind, wie immer in dieser Phase und gehe im Raum herum, geduldig wartend bis ich etwas sehen kann. Mein altes Zimmer erscheint, es ist so eingerichtet wie als ich auszog. Ich springe auf mein Bett, spüre wie flexibel mein Körper ist und rutsche kopfüber in die Lücke zwischen Bett und Schrank. Will unter mein Bett gleiten, assoziiere das dann aber mit dunklem, Unbewusstem, und beschließe es zu lassen. Stattdessen springe ich auf das Fensterbrett, sitze da wie ein Frosch und gleite weich wie Butter durch die Fensterscheibe. Ein tolles Gefühl, doch an dem Punkt werde ich wieder rausgeschmissen.
Auch diesmal gelingt es mir erneut mühelos, in den luziden Zustand zu kommen und sogar, mich an die selbe Stelle zu projezieren! Ich sitze also ‚im‘ Fenster, mir gegenüber die Wand von der Garageneinfahrt und springe auf das Geländer, das sich darauf befindet. Ab hier wird es etwas abstrakt und wild, denn ich lasse mich noch in der selben Bewegung bäuchlings in den Fluss hinter der Mauer fallen, das Wasser ist angenehm kühl. Als sei ich selbst ein Fisch, lasse ich mich von der rasanten Geschwindigkeit mitreißen – das Flussbett wünsche ich mir etwas tiefer, es geschieht sofort und wird so tief, dass schimmernde Sonnenstrahlen ein Paradies aus Korallen, Seegras und bunten Fischen beleuchten. Ich bin hin und weg und freue mich unglaublich über die Klarheit dieses Traums! Nach ein paar Metern nutze ich einen dicken Felsbrocken, um mich mit einer gekonnten Drehung aus dem reißenden Fluss zu katapultieren, meine Flügel auszubreiten und mit kräftigen Flügelschlägen an der unnatürlich langen, gelben Hauswand empor zu schnellen! Den Sims ganz oben will ich nochmal als Sprungbrett nutzen und als ich mich von ihm abstoße, erstreckt sich vor mir die unendliche Weite eines golden wogenden Weizenfeldes – bombastisch! Ich schlage noch dreimal kraftvoll mit den Flügeln und gleite in einer weiten Kurve über das Feld und meine Mutter hinweg, die am Flußufer steht und mir hinterhersieht. Ich wende den Blick ab und da wo das Haus hätte stehen müssen sehe ich hinter den Feldern eine sagenhaft schöne Hügel- und Berglandschaft, die sich stetig verändert.

An dem Punkt wache ich auf und bin vollkommen überwältigt. Ich war in allen drei Traumabschnitten so klar wie noch nie und konnte mich extrem gut auf meine Umgebung einstellen. Will heißen, ich habe nichts erzwungen sondern einfach passieren lassen und mich trotzdem frei in dieser sich permanent verändernden Welt bewegt. Die Erinnerung ist vollkommen glasklar, diese Bilder – das bunte Flussbett, die Weizenfelder, die Berglandschaft – wie gemalt und doch so real, ich kann es kaum fassen.
Ich frage mich, was genau dazu geführt hat. Ich hab da mehrere Theorien. Vielleicht war es die Selbstbestimmtheit die ich an den Tag gelegt habe als ich nach Ausbruch des Streits alleine und ohne Schuhe eine 3/4 Stunde zum Hotel gelaufen bin, ohne aus Mitleid zurück zu gehen. Schließlich ist er ein erwachsener Mann, der den Weg zum Hotel sogar schneller gefunden hat als ich. Das war ein Akt der Selbstkontrolle, darum vielleicht auch diese Leichtigkeit im Traum.
Die Abstinenz von Chemie, Gras und Tabak wird auch ihren Teil dazu beigetragen haben.
Und schließlich der Urlaub an sich. Zum ersten Mal machen wir einfach nur Urlaub, anstatt einen Entzug durchzuziehen. Vom ersten Tag an konnte ich mich erholen, statt mich den halben Urlaub um ihn zu kümmern. Das hat meinem Gehirn die Möglichkeit gegeben, meine neuen Erkenntnisse, Veränderungen und Entscheidungen der letzten Zeit zu verarbeiten! In einem vorangegangenen Beitrag schrieb ich, mein Kopf sei voll mit Neuem und ich müsse das alles mal aufschreiben um Klarheit zu bekommen. Scheinbar brauche ich das jetzt nicht mehr…

Oh wow.

Hätte nicht gedacht, dass es darauf hinausläuft als ich anfing zu schreiben.

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