Wie ich mich aufmachte, meine Träume zu erkunden

Der werte Herr Wunder interessierte sich dafür, wie ich zum Klarträumen kam und so teile ich meine Erfahrungen nun mit meiner Leserschaft.

Luzide Träume hatte ich schon als Kind oft und das einzige was ich dann wollte war fliegen. Mein erster und größter Wunsch war es immer nur, fliegen zu können… Hinzu kamen ein paar Erfahrungen wenn ich in der Schule in einer Freistunde in der Aula mit dem Kopf auf dem Tisch geschlafen habe: Ich war wach und habe mein Umfeld halb mitbekommen, konnte mich aber nicht rühren. Mein körper bewegte sich keinen Millimeter, minutenlang wie mir schien, bis diese Paralyse dann vorbei ging und ich wieder vollständig wach war. Der Zustand machte mir Angst in dem Moment aber wenn er vorbei war, wurde ich neugierig auf diese neue Wahrnehmung. Ich erzählte auch meinem engeren Umfeld von meinen Erlebnissen, der ein oder andere hatte auch ähnliches erlebt. Mit etwa 18 sah ich dann im Flimmerkasten einen Beitrag über das Bewusstsein im Traum. Als ich erfuhr, dass man diesen Zustand trainieren kann, war ich sofort Feuer und Flamme, denn mir war schon früh aufgefallen, dass diese bewussten Träume so realistisch waren, dass die Erinnerung daran sich anfühlte wie wirklich erlebt (an dieser Stelle könnte ich jetzt anfangen über die Frage zu philosophieren, ab wann etwas als „real erlebt“ gewertet werden kann – was ist Real usw. Aber nein).
Ich recherchierte das Internet zugrunde und stieß dabei auf allerlei Techniken, wie die WILD-Methode oder die 10 Gebote des Klarträumens von Paul Tholey:

1. Stelle dir die kritische Frage, ob du wach bist oder träumst mindestens fünf- bis zehnmal am Tag.

2. Stelle dir dabei intensiv vor, dich in einem Traum zu befinden, dass also alles, was du wahrnimmst, inklusive deines eigenen Körpers, geträumt ist.

3. Achte bei der Beantwortung der Frage sowohl auf das, was gerade in diesem Moment geschieht, als auch auf Vergangenes, denn oft setzen Traumerlebnisse unvermittelt ein und in der Regel gibt es im Traum kein Gestern, sondern eine Lücke. Also, hast du Erinnerungslücken oder bemerkst du etwas Ungewöhnliches? (Realitätscheck)

4. Stelle dir die kritische Frage immer in Situationen, die für Träume charakteristisch sein könnten, z. B. wenn etwas Ungewöhnliches geschieht.

5. Hast du wiederkehrende Inhalte in deinen Träumen, tauchen z. B. häufig Hunde oder Katzen auf? Stelle dir in dem Fall immer dann die kritische Frage, wenn du einen Hund bzw. eine Katze siehst.

6. Stelle dir im Wachzustand bestimmte Trauminhalte vor, wie z. B. durch die Luft zu fliegen, und versuche dich intensiv in das Erlebnis hineinzuversetzen (Visualisierung). Diese Vorstellung wird mit dem Gedanken verbunden, dass man sich im Traum befindet.

7. Schlafe mit dem Gedanken ein, dass du einen Klartraum haben wirst (Autosuggestion).

8. Ist deine Traumerinnerung eher schwach, so führe ein Traumtagebuch, um sie zu verbessern.

9. Nimm dir vor, im Traum eine ganz bestimmte Handlung auszuführen (Intention).

10. Übe regelmäßig, aber nicht verbissen, und bewahre Geduld!

Folglich klebten hie und da kleine Zettel mit „Träum ich oder wach ich?“ um mich in einen kritischen Bewusstseinszustand zu versetzen. Und ich begann, Traumtagebuch zu führen. Und es funktionierte, schneller als erwartet sogar! Ich konnte mich besser und zusammenhängender an meine Träume erinnern und hatte immer regelmäßiger Klarträume. Zumindest wenn ich nicht kiffte. Wer regelmäßig kifft, träumt entweder gar nicht oder kann sich nicht dran erinnern. (Meine Theorie: genau diese Tatsache löst Kifferpsychosen aus oder ist zumindest stark daran beteiligt, weil das Gehirn ohne Träume nicht richtig verarbeiten und funktionieren kann!) Darum funktioniert Klarträumen bei mir auch nur wenn ich ein paar Tage nüchtern war.
In einer arbeitslosen Zeit bin ich öfter mal nach einem kurzen Frühstück direkt wieder pennen gegangen, wenn ich noch total müde war. Und irgendwie bin ich dann so halb eingeschlafen und dachte jemand steht im Raum, begleitet von einem unheimlichen Dröhnen im Kopf. Wieder Bewegungsunfähigkeit, ich kämpfte mich aus diesem Zustand raus bis ich irgendwann wirklich einschlief. Manchmal konnte ich mich aber nicht rauskämpfen und der Zustand veränderte sich, ich fühlte mich schwer wie Blei aber konnte mich bewegen, setzte mich hin und spürte zwei Körper: meinen schlafenden und meinen Traumkörper, in vollem Bewusstsein darüber, dass ich gerade meinen Körper verlassen habe! Ob das nur geträumt oder tatsächlich so war, kann ich bis heute nicht genau beantworten. Fest steht, ich hatte einige solcher Erfahrungen, in denen ich dann keine fiktive Welt träumte, sondern die Umgebung in der ich auch schlief. Und dabei gelang es mir langsam immer besser, diesem Sog zu widerstehen und mich weiter von meinem Körper weg zu bewegen. Später erfuhr ich, dass man die Schlafparalyse, die eintritt wenn der Körper einschläft und das Bewusstsein wach bleibt, überwinden kann um direkt in einen luziden Traum über zu gehen. Genau das hatte ich seit Monaten gemacht! Mind blown. Es gibt für mich also zwei Arten in den Klartraum zu kommen. Über die Schlafparalyse oder mitten im laufenden Traum. Und jetzt kommts abgedreht.

Es gab eine Studie über Bewusstseinszustände im Schlaf. Die Hirne von Probanden die seit Jahren „professionell“ klar träumten, wurden an Sensoren und Messgeräte angeschlossen, während sie schliefen. Über dem Bett, in unerreichbarer Höhe ein Regal, darauf ein Blatt mit einer den Probanden unbekannten Zahl, verdeckt mit einem Buch. So langsam dürfte klar sein worauf das hinausläuft. Ich selbst hab das noch nicht probiert, werd ich aber mit Sicherheit irgendwann. Astralreise nennt sich das, wenn man seinen Körper verlässt und sich auf der transzendenten Ebene bewegt. Und hier kann ich nicht mit bestimmtheit sagen ob das real ist oder nicht. Ich

Ein weiterer hochinteressanter Aspekt ist die tatsache, dass man im Klartraum mit Menschen und anderen Wesen reden kann. Ganz gezielt wenn man will. Und mit wem spricht man da, wenn nicht mit dem eigenen Unterbewusstsein? Ich habe schon das ein oder andere Mal so eine (Alp)traumfigur angesprochen. Verdammt interessant. Und wenn man dann noch in der Lage ist das zu deuten, kann man sich quasi selbst therapieren. Damit will ich nicht sagen „scheiß auf Therapeuten, redet mit euren Träumen“. Was allein schon schwer hängengeblieben klingt. Aber es öffnet einem die Möglichkeit, an sich auf tieferer Ebene zu arbeiten.

In den letzten Monaten habe ich mich eigentlich nicht so sehr mit dem Thema beschäftigt aber vor kurzem hatte ich dann aus heiterem Himmel den krassesten luziden Traum den ich je hatte:

ich stehe in meinem alten Kinderzimmer mit den neuen Möbeln und mir ist sofort bewusst, dass ich träume. Noch habe ich keine Kontrolle und beobachte nur was passiert, springe auf mein Bett und gleite kopfüber zwischen Bett und Kleiderschranknach unten, blicke unters Bett und es kommt mir dunkel und gruselig und tief vor da unten. So als könnte ich noch tiefer abtauchen. Ich weiß sofort, dass ich so weit in meine psyche gerade nicht eindringen möchte und entscheide mich, wieder unter dem Bett hervorzuschlängeln und stattdessen wie ein Frosch auf die Fensterbank zu springen, um mein Gesicht durch das Glas zu tauchen wie durch eine glatte, kalte Wasseroberfläche.
An dieser Stelle wachte ich kurz auf, drehte mich um und wünschte mir, genau da weiterträumen zu können. Mein Wunsch wurde gewährt. Und jetzt wurde es Rasant, ich hoffe meine Ausführung liest sich ansatzweise so fließend und treibend und aufregend wie der Traum ab hier weitergeht.
Ich sitze also auf der Fensterbank, die Sonne fühlt sich fantastisch an und ich beschließe die Flügel auszubreiten, um mit ein paar kräftigen Flügelschlägen schnell auf die gegenüberliegende Mauer zu fliegen, ich sehe den Fluss auf der anderen Seite dahinrasen und stürze mich blindlinks in die Fluten. Das Wasser ist mir zu niedrig, also wird das Flussbett plötzlich viel tiefer und es präsentiert sich mir ein atemberaubender Anblick eines bunten Biotops aus Korallen, Fischen, Pflanzen, Felsen, durch das ich im Strohm des Flusses hindurchschieße wie die fucking glücklichste Flussjungfrau der Erde. Ein großer Fels lädt mich ein, mich mit einer Schraube aus dem Wasser zu katapultieren, noch in der Drehbewegung die Flügel auszubreiten, ein Flügelschlag, ich nutze wieder die Mauer als weiteres Sprungbrett, um plötzlich heroisch über der golden wogenden, Ehrfurcht gebietenden Landschaft eines einzigen, unendlichen Weizenfeldes dahinzufliegen, nein, zu schießen! Meine Flugbahn beschreibt einen großen Halbkreis und es rückt, da wo das Haus hätte stehen müssen, eine Ultra HD+++ Berglandschaft ala Heidi in mein Bild. Ende.

Diese Farbgewalt und die Bedeutsamkeit dieses Traums sind für mich kaum in Worte zu fassen. Die Tiefe unter meinem Bett, das Unbewusste was lieber vergraben bleiben will. Die Freiheit die ich gespürt hab als ich aus meinem Nest, aus dem Fenster fliegend, fallend in einen Fluss aus Farben stürze…oder als ich ausgezogen bin.

Noch eine interessante Frage kam vom werten Herrn Wunder. Hat das was mit Ecstasy und Pep zu tun?
Für mich gar nichts. Drogen verändern die Art wie ich träume und ich hatte noch nie einen Klartraum nach durchgezogenen Nächten. Nach Ecstasy habe ich vorm Einschlafen so nen Film laufen, eine Szene nach der anderen, vollkommen unzusammenhängend und total abgespaced. Ansonsten weiß ich, dass man nach LSD sehr viel intensiver und bunter träumen soll. Wenn so ist werdet ihrs erfahren.

Soviel zum Klarträumen, ich könnte noch 3600 Seiten dazu schreiben aber 1. bin ich viel zu stoned und muss mal was essen und 2. sind lange Texte auf dem Smartphone anstrengend.

Wer Interesse an Austausch hat:
nekosan@web.de

Advertisements

2 Gedanken zu “Wie ich mich aufmachte, meine Träume zu erkunden

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s