Die mit Abstand abgedrehteste Woche

Dienstag, 24.05.2016
Ich stehe gegen 13:00 auf, tiger den ganzen Tag in meiner Wohnung rum und die Gedanken die sich seit Wochen anstauen werden unerträglich. Ich bitte M. um ein Treffen, fahre gegen 18:00 los und trenne mich von ihm. Es dauert nicht lange. Beschließe danach spontan, zum besten schwuli der Welt ins Hostel (bzw. an die Theke von dessen Bar) zu fahren und wir fangen an zu trinken. Bin nervlich ziemlich durch und will grad nicht nüchtern sein. Nach seinem Feierabend räumen wir auf und teilen uns ne hochdosierte Pille.

Mittwoch, 25.05.
Ca. 00:00. A. und ich erkunden die Stadt, kaufen uns Wein und Gras und 3 Stunden später scheppert dieses halbe Teil unerwarteterweise dermaßen krass, dass wir total die Orientierung verlieren. Es soll eine seeeeehr lustige Nacht werden. Irgendwann morgens kommen wir bei ihm zu Hause an, kein Gras mehr da, aber dieser Drang mich abzuschießen, also ne kleine Line Koks (das erste Mal Koks aber nicht nennenswerte Wirkung) und später ne mini-Nase Keta gezogen. Noch bestimmt 2 Stunden weiterhin orientierungslos die Wohnung unsicher gemacht, irgendwann dann auf dem Sofa eingepennt.
Ca. 11:00 wache ich auf, mir gehts zumindest körperlich ganz gut und ich fahre nach Hause. Nachmittags ruft M. an, er will noch mal mit mir reden. Ich sage ich bin zu verklatscht für sowas, will heute feiern gehn und danach erst mal klar kommen. Am Ende fahren wir zusammen feiern. Hab ne sehr geile Nacht, er auch.

Donnerstag, 26.05.
Morgens fahren wir ziemlich totgefeiert ans Wasser, die Sonne knallt, wir fressen unser letztes Teil und bestellen uns Pizza (was angesichts meines Zustands überraschend schnell Erfolg hat), Freunde kommen dazu. Ich habe Optiks, die fast an Halluzinationen grenzen. Lange nicht mehr so verbacken gewesen. Abends verabschieden wir uns. Er sieht noch mitgenommener aus als ich mich fühle. Bin traurig.
Fahre nach Hause und will nur noch baden, essen, schlafen. Bekomme eine Nachricht von G., wir haben uns Jahre nicht gesehen und sind verabredet. Wegen seiner Arbeit hat er fast immer nur Nachts Zeit. Ich kann nicht schon wieder absagen. Gehe also duschen, esse was und gehe nicht schlafen.

Freitag, 27.05.
2:00 hole ich G. von der Bahn ab. Wir haben uns viel zu erzählen, viel zu kiffen und viel zu essen. Er zeigt mir Bilder und Texte die während eines LSD-Rauschs entstanden sind. Wahnsinn. Irgendwann morgens pennen wir ein und schlafen etwa 5 Stunden bis 12:00, ich mache Frühstück, wir kiffen weiter und chillen. Später fährt er mit Freunden Grillen, ich entscheide mich gegen eine Party und fahre zu meiner besten Freundin. J. und ihr Freund sind schon am ballern und ich beschließe, mit einzusteigen. Ist ja jetzt eh erst mal Wochenende und geschlafen hab ich auch. Und los. Überfluss. Konsumwut. J.s Freund geht feiern. Wir sind also alleine und reden viel (Unsinn). Später kommt G. von seiner Grillfeier gut betrunken dazu. Pillen werden konsumiert. Mein Zustand wird immer verklatschter. Denke mir an diesem Punkt schon wie abgedreht die letzten Tage waren.

Samstag, 28.05.
Wir hören die ganze Nacht Musik, reden (Stuss), basteln, tanzen.
G. zeigt uns eins der monumentalsten Lieder:

Fickt-Euch-Allee

Folglich beschäftigt sich mein Kopf mit der Bildung von Fickt-Euch-Allee-Sätzen wie „Ich rauch mir jetzt nen Kopf in der Fickt-Euch-Alleeeeeehehehe“, selbstverständlich in gesungener Form und im passenden Moment. Meine Kreativität sprudelt, wir lachen uns den Arsch ab. Irgendwann morgens kommt J.s Freund I. wieder mit dessen Kumpel R. Beide komplett zerfeiert. R. extremst aufgedreht und gut gelaunt, I. völlig zermatscht und drupp. Mehr Pillen. Alle außer G. und mir kleben sich ne halbe Pappe. Die Stimmung wird zunehmend ausgelassener. R. springt aufgekratzt durch die Räume. Ich laufe brabbelnd hin und her. I. raucht einen Kopf nach dem anderen. Wir schmeißen Fuffies durch den Club in der Fickt-Euch-Alleeeeeehehehe.
Und irgendwann kippt die Stimmung. I. fängt die ganze Zeit Diskussionen an. Es wird gestritten. Und dann rastet er aus. Schreit, gestikuliert. Das gab es nach Sylvester schonmal. Nur nicht ganz so…krass. Langsam aber sicher kocht die Stimmung hoch. Bis er Sachen durch die Gegend schmeißt. Anfängt beim Schreien zu spucken bis ihm der Sabber am Kinn hängt. Und sein Blick… so einen Blick hab ich noch nie gesehen. Purer Zorn, als er sich vor mir aufbaut, mir nahe kommt, ausholt um sich selbst gegen den Kopf zu schlagen. Ich fliehe immer wieder aus der Situation, weiß dass meine beste Freundin noch zwei Männer um sich hat und zücke mein Handy. I. ist cholerisch, wird paranoid. Bilder schießen durch meinen Kopf von meinem Ex, als der mich geschlagen hatte. Die Situation überfordert mich dermaßen, dass ich mich schließlich ins Schlafzimmer flüchte und in der hintersten Ecke des Betts unter der Decke zusammenrolle, das Handy fest umklammert. Ich höre ihn schreien, durch die Räume laufen. Und dann sitzt der tobende Berserker plötzlich auf dem Bett, schlägt auf die Matratze, nur Zentimeter von mir entfernt. In meinem Kopf geht es nur „bittefindmichnichtbittefindmichnichtbittebittebitte“
Und dann geht er. Beruhigt sich langsam. Packt seine Sachen. 12 Stunden lang. In denen ich nach und nach eine Fickt-Euch-Einstellung entwickle. Meine Gedankengänge bestehen aus Fickt-Euch-Allee- und Wayne-Train-Sprüchen. Werd langsam kirre von mir selbst. Wechsel ständig den Raum wenn I. rumpöbelt. Niemand traut sich ihn rauszuschmeißen.

Sonntag, 29.05.
Irgendwann Morgens gegen 8:00 gehe ich schlafen. G. liegt neben mir und fragt ob er sich an mich kuscheln kann. Ehm nein?
Ich wache gegen 11:00 auf und erstarre kurz als ich I. auf dem Sofa sitzen sehe. J. schläft und R. ist weg. Als G. aufwacht, verpissen wir uns. Ich bin total am Ende aber kann mir nicht vorstellen jetzt alleinr zu Hause zu sein. Kopfrattern. Ich gehe allein zu E., meiner anderen besten Freundin. Mein Ex R. ist da. Uff. Wir gehen ans Wasser in die Sonne und als er weg ist schweigen E. und ich uns nur an. Ich bin viel zu überladen und sie hat Depression. Als ich heim will schreibt mir meine Seelenschwester eine sms. Wir haben uns ewig nicht gesehen. Ich fahre spontan zu ihr, wir reden, essen und ich fahre nach Hause. Bade. Masturbiere.
Als ich im Bett liege rasen meine Gedanken.

Bin vollkommen paralysiert. Welcher Tag ist heute? Keine Ahnung. Egal. In meinem Kopf rattert es lautlos. Bilder blitzen auf und verschwinden sofort wieder. Orte, Szenerien. Gesichter. M.s Gesicht als ich schluss gemacht hab. A.s Gesicht als wir total verstraht durch die Stadt getorkelt sind. G.s Gesicht als er sich gefreut hat mich wieder zu sehen. I.s Gesicht.
Dieses eine Gesicht, das ich wohl niemals wieder in meinem Leben vergessen werde. Gehetzt, voller Hass und Angst zugleich. Nie zuvor habe ich so ein Gesicht gesehen.
E.s Gesicht, fahl und deprimiert. R.s Gesicht als wir uns begrüßen und merken dass es komisch ist. D.s Gesicht, als sie mir die Tür aufmacht und sagt „Was ist denn mit dir passiert?“

Und mein Gesicht, als ich Sonntagnacht in den Spiegel blicke und denke

„Das war ne richig krasse Woche in der Fickt-Euch-Alleeeeeee!“

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