Letzte Worte

Ich hatte ja bereits in einem Beitrag über meine Meinung und Umgehensweise mit dem  Thema LSD berichtet. Dabei ging ich am Ende grob auf meine persönlichen Vorbereitungsmaßnahmen ein und versprach einen ausführlicheren Artikel. Meine Reise steht nun kurz bevor: morgen werde ich es wagen. Und das nehme ich zum Anlass, meine Gedanken und Pläne hier mal detailiert zu Bildschirm zu bringen.

Es gibt vier Umstände, die einen Drogenrausch im Wesentlichen bestimmen: Droge, Dosierung, Set und Setting. Diese Aufteilung möchte ich nun nutzen, um ein ganzheitliches Bild meiner Vorbereitungen wiederzugeben.

LSD Blotter

⊗ Die Droge ⊗

Konsumiert wird 1-Propionyl-Lysergsäurediethylamid, ein LSD 25-Analog, auch genannt 1P-LSD (im Folgenden „1P“). Hierbei handelt es sich um ein Research Chemical (RC), eine sogenannte Forschungschemikalie. Diese Chemikalien befinden sich, wie der Name bereits verrät, noch in der Forschung und daher ist noch wenig über Wirkungsweise, Nebenwirkungen usw. bekannt. Allerdings steht diese Substanz im dringenden Verdacht, eine sogenannte „Prodrug“ zu sein. Will heißen, sie metabolisiert im Körper zu echtem LSD 25. Viele hunderte Tripberichte geben ein passendes Bild: Die meisten Konsumenten berichten von gleicher bis sehr ähnlicher Wirkungsweise wie LSD. Nur die Wenigsten behaupten, die Substanzen im Blindtest auseinanderhalten zu können.

Ich habe mich für das Analog entschieden, weil

  1. es legal ist und ich es ganz bequem im Internet bestellen konnte,
  2. eine exakte Dosierung möglich ist,
  3. die Gefahr, keinen oder den falschen Wirkstoff zu bekommen, schwindend gering ist

Nicht, dass die Illegalität mich stören würde. Aber sowas wie LSD im Internet bestellen zu können, fand ich schon ganz schön aufregend! Und die Pappen die man dann so auf den Goapartys oder von Dealern bekommt, bergen hohe Risiken mit sich. Nicht nur, dass einem niemand sagen kann, wie viel LSD da jetzt genau drauf ist. Es kann einem auch in den meisten Fällen keiner sagen, was genau da drauf ist! Diese Gefahr ist genau so hoch wie bei Ecstasy, aber im Zweifel haben die Streckstoffe oder anderen Substanzen zusammen mit dem Bisschen LSD das da evtl auf den Pappen ist, eine signifikant andere Wirkung auf die Psyche und den Körper.

Eine Chemikalie, die von Shops zu Forschungszwecken auch an Labore verkauft wird und demnach höchstwahrscheinlich sauber und genau dosiert ist, schien mir da die bessere Alternative. Also, ab in die Weiten des Internets und 1P bestellt. Ich konnts kaum fassen, als da tatsächlich ein dicker Brief in meinem Briefkasten lag, darin ein schwarzes, zugeschweißtes Tütchen das 5 kleine Löschpapierquadrate enthielt, bedruckt mit „1P-LSD“.
Total irre.

Vor zwei Wochen haben zwei Freunde, die schon viel Erfahrung mit LSD haben, die Pappen getestet und sie scheinen in Ordnung zu sein.

250px-1-propionyl-lysergic-acid-diethylamide

Im Folgenden werde ich von LSD anstatt von 1P-LSD sprechen, da die beiden Substanzen keine signifikanten Unterschiede aufweisen und der Umgang beim Konsum der Selbe ist.

⊗ Die Dosierung ⊗

LSD und auch 1P-LSD werden in µg (Mikrogramm) dosiert.
1mg = 1000µg

Dosierungstabelle nach PsychonautWiki:

Wirkungsschwelle < 20 µg
Leichte Wirkung 25 – 75 µg
Mittlere Wirkung (Übliche Dosis) 50 – 150 µg
Starke Wirkung 150 – 300 µg
Sehr starke Wirkung 300 µg +

Bei Beantwortung der Frage, welche Dosis ich bei meinem ersten Trip wähle, stellen sich zwei weitere Fragen:
1. Will ich mich mit einer geringen Dosis erst mal an die Wirkung herantasten oder direkt volle Möhre?
2. Kann man LSD nachlegen?

1) Ich habe verschiedenste Tripberichte von Menschen gelesen die ihren ersten LSD-Trip hatten und verschiedenste Dosierungen gewählt haben. Die meisten wussten natürlich gar nicht genau, wie die Pappen/Zuckerwürfel/Tropfen dosiert waren. Hinzu kommt, dass die Empfindlichkeit gegenüber LSD nicht bestimmt werden kann. Es gibt Berichte von Konsumenten die bei einer Dosis von etwa 50µg einen ähnlich starken Trip hatten wie jemand der eine Dosis von 200µg gewählt hat. Das hat mich bei der Wahl der Dosis natürlich sehr verunsichert. Ich bin für meinen ersten Trip nicht danach aus, vollkommen aus der Realität geschleudert zu werden und nicht mehr klar zu kommen. Andererseits habe ich von vielen Menschen gelesen, die bei einer zu geringen Dosis „dazwischen hingen“. Nicht mehr nüchtern aber auch nicht wirklich drauf, das kann ein sehr unangenehmes Gefühl sein, bis hin zu Horror auslösen.

2) Ich sah die Möglichkeit, erst mal nur die Hälfte einer Pappe zu nehmen, also 50µg und wenn mir das zu wenig wäre, könnte ich ja nachlegen, also die andere Hälfte noch nehmen. Das Problem an der Sache: Nachlegen ist bei LSD scheinbar nicht sehr sinnvoll, da sich die Wirkung nicht signifikant verstärkt, es se denn die Dosis wird krass erhöht. Und so eine Erhöhung der Dosis ist schwierig, denn ab hier ist es unmöglich zu entscheiden, wie viel ist zu viel, wenn man nicht gerade erfahrener Psychotherapeut ist, der Patienten mit LSD behandelt.

Schlussendlich entschied ich mich, mit einer Dosis von 100µg zu beginnen. Zwar habe ich hie und da gelesen, dass diese Dosierung einen unerfahrenen Psychonauten bereits überfordern kann, aber mit Überforderung kann ich umgehen. Und ich sehe die viel größere Gefahr darin, in dieser Zwischenwelt zu hängen und 10 Stunden nicht zu wissen wo hin mit mir.

⊗ Set ⊗

Das Set, oder auch der mentale Zustand, war der ausschlaggebende Punkt, der mich damals davon abhielt, LSD zu probieren. Und ich bin heute überzeugt, dass diese Entscheidung meine Psyche gerettet hat. Meine allerwichtigste Regel: Nimm niemals eine Substanz zu dir, vor der du Angst hast!!!

In den letzten zwei Jahren habe ich mich sehr verändert. Meine Einstellung zu meinem Umfeld und vor allem meine Einstellung zu mir selbst hat sich komplett gewandelt. Früher konnte ich mich selbst nicht leiden, ich war unzuverlässig, faul, hatte regelmäßig depressive Verstimmungen die mich tagelang ins Bett zwangen. Ich will hierauf jetzt nicht allzu detailiert eingehen, das kommt in einem späteren Beitrag. Heute bin ich sehr viel ausgeglichener, ich habe einige vergangene Traumata aufgearbeitet, ich bin selbstständiger geworden, habe meine eigene Wohnung und komme mit mir selbst sehr gut zurecht. Und diese Veränderung brachte mich dann dazu, zu entscheiden, okay, jetzt ist es soweit. Seit dieser Entscheidung ist mehr als ein halbes Jahr vergangen, in dem ich mich intensiv vorbereitet habe. Das gehört für mich absolut zum Thema Set dazu, denn ich habe eine fast schon wissenschaftliche Herangehensweise an den Tag gelegt. Das Internet zugrunde recherchiert, anonyme Tripberichte und Bücher gelesen, Bekannte ausgefragt. Festgestellt, okay, gerade bist du ausgeglichen. Mich gefragt: was willst du eigentlich von LSD? Was ist deine Intention? Hast du Angst oder bist du nur aufgeregt? Alles wichtige…nein, SEHR wichtige Fragen!

Was ich will: Bewusstseinserweiterung. Hinter den Schleier schauen. Das Mysterium LSD endlich aufdecken.
Ob ich Angst habe: nicht mehr. Seit ich von der wissenschaftlichen Seite an das Thema herangegangen bin und seit ich eins weiß: Der Trip ist zu einem gewissen Maß kontrollierbar! Und: Man ist sich des Trips bewusst, verwechselt also nicht Realität und Trip!

Gut, Fragen geklärt. Es fehlte nur noch der richtige Zeitpunkt. Vor zwei Wochen entschied ich mich dann, okay, Freitag der 17.06. wird es sein. Um mein Mindset optimal zu konditionieren, habe ich mir in den letzten zwei Wochen Dokumentationen über Natur und Wissenschaft angesehen, Filme die sich um spirituelle Themen ranken. Habe mich mit dem Thema Ego und Egotod beschäftigt, mit der Blume des Lebens, Bedeutung des Om-Symbold nochmal aufgearbeitet. All so spirituellen Kram habe ich mir zu Gemüte geführt, damit mein Geist sich mit diesen Dingen beschäftigt.

Das habe ich nicht nur getan, weil ich mich mit diesen Dingen beschäftigen möchte während des Trips (falls es mir überhaupt möglich ist mich auf etwas zu konzentrieren), sondern weil ich mich auf meinem ersten LSD-Trip vor allen Dingen  mit einer Sache nicht beschäftigen will: mit meinem Innersten. Das würde ich gerne tun, wenn ich den Zustand kennen gelernt habe und damit umgehen kann. Mir ist wichtig, dass mein erster Trip ein positiver, spiritueller Trip ist. Und ich bin mal gespannt, ob meine Bemühungen Früchte tragen werden.

Was für mich auch zum Set beiträgt, sind die Mitreisenden. Ich habe dazu sehr sorgfältig gewählt. Meine Freundin E. wird Tripsitterin sein. Sie hat schon viele Erfahrungen mit LSD machen dürfen und hatte noch nie einen schlechten Trip. Ihr vertraue ich blind. Ich würde ihr mein Leben anvertrauen, was ich ja mit diesem Experiment irgendwo auch tue. Und mein bester Freund A. wird dabei sein, es ist auch seine erste Erfahrung mit LSD.
Diese beiden Menschen geben mir Sicherheit, ich kann bei ihnen sein wie ich bin und muss mich für absolut nichts schämen. Perfekte Gefährten also.

⊗ Setting ⊗

Das Setting beschreibt die Umgebung, in der getript wird. Eigentlich habe ich auch deswegen so lange gewartet, weil ich ein Kind der Sonne und des Sommers bin. Wer wäre ich, im tiefsten Winter LSD zu nehmen? Für mich unvorstellbar. Daher auf jeden Fall Sommer als Jahreszeit. Und draußen. Mir war wichtig, dass ich Natur um mich herum habe, die Sonne, Wasser.
Je nachdem wie das Wetter morgen Mittag ist, werden wir aber in meiner Wohnung starten. Ich habe das Setting dementsprechend an eine ruhige und entspannte Stimmung angepasst: Zum einen habe ich aufgeräumt, und zwar pico bello, damit man sich auch wohl fühlt. Das Bett „erweitert“, mit Decken und Kissen auf dem Boden eine Kuschelecke gebaut und alles was stören könnte weggeräumt. Dreitausend Kerzen überall aufgestellt, um warmes, angenehmes Licht zu haben. Dann hab ich da noch so ne verrückte Glühbirne, die bunte, sich drehende Lichter an die Wand wirft. Mal gucken ob ich darauf klar komme. Außerdem habe ich alles, was eventuell schmerzliche Erinnerungen hochholen könnte, weggeräumt. Und ich habe eine Playlist mit Musik erstellt, zu der mir geraten wurde und mit Musik die ich liebe und die mich erdet.
Für das leibliche Wohl ist gesorgt, auch wenn die meisten Konsumenten sagen, dass Essen auf Trip erst mal fast gar nicht geht weil es überfordert. Dennoch habe ich ne ganze Menge Obst, Eistee, Joghurtdrink. Und einen Geheimtipp von jemandem aus einem Forum: Frisch gepresster Zitronensaft mit Zucker. Süß, sauer, krasse Empfindung und die perfekte Ablenkung wenns einem mal schlecht gehen sollte.

So, ich denke, damit habe ich die wichtigsten Faktoren meiner Reise schön zusammengefasst.


Für jeden, den es interessiert, oder der mit dem Gedanken spielt, ein Psychedelikum zu konsumieren, habe ich hier ein paar Links zu den Seiten, auf denen ich recherchiert habe. Ist übrigens auch als Quellenangabe zu betrachten:

Albert Hofmann – Entdecker des LSD

Drogen-Wikia
Eine schöne Sammlung mit Informationen zu allen möglichen bewusstseinsverändernden und -erweiternden Substanzen

The Psychedelic Experience
Ein wundervolles Werk. Eine der ersten Seiten, die man sich unbedingt zu Gemüte führen sollte!

Albert Hofmanns Geschenk an uns und ein absolutes MUSS für jeden Psychonauten zum kostenlosen und sicheren Download (Startet sofort nach Klicken des Links!):
LSD – Mein Sorgenkind

Drogeninduzierte und andere außergewöhnliche Bewusstseinszustände

Vice – LSD für Anfänger

Thomas D. von den Fantastischen Vier: Der Weg der Erkenntnis

Und last but not least, das Forum in dem ich auch selbst unterwegs bin und in dem man zum Einen Informationen zu vielen Drogen findet, zum Anderen sich mit Konsumenten austauschen und außerdem hunderte Tripberichte lesen kann:

 

Land der Träume - your psychedelic community

 

So denn, gute Reise!

Namasté

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6 Gedanken zu “Letzte Worte

  1. Ich warte auch gespannt auf deinen Bericht.
    Und Respekt, dass du dich im Vorhinein so gut informiert hast. Das machen die wenigsten, viele knallen sich das Zeug einfach in den Kopf und wundern sich dann im Nachhinein, weil sie es einfach völlig unterschätzen. Ich musste letzte Woche noch eine sehr unangenehme Erfahrung mit einem Bekannten machen, der sich eindeutig zu viel LSD (vor allem in ner total unangenehmen Atmosphäre, das hat alles gar keinen Sinn gemacht, verstehe ich bis jetzt nicht) gegeben hat. Sein Trip endete im Krankenhaus und er hat letztendlich neben sich noch einige andere wirklich in große Gefahr gebracht. Hab immer noch Bauchschmerzen, wenn ich dran denke, was alles hätte passieren können. Freut mich unglaublich zu lesen, dass es doch noch Menschen wie dich gibt, die wirklich versuchen, sich so intensiv wie möglich mit der Materie im Vorhinein auseinander zu setzen. Man merkt, dass du dich nicht primär mit dem Zeug wegknallen willst, du hast kapiert, dass viel mehr dahinter steckt. 🙂

    Gefällt 2 Personen

    • Danke für die Bestätigung!
      Ja, dass da mehr hinter steckt habe ich schon von Anfang an verstanden und darum auch so lange damit gewartet. Ich kenne auch selber genug Leute, die alles andere als verantwortungsbewusst damit umgehen. Jetzt wo ich die Substanz und ihre Wirkung kennen gelernt habe, kann ich solches Verhalten noch viel weniger verstehen…

      Gefällt 1 Person

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