Von Respekt(losigkeit)

Zwischen Donnerstag und Sonntagmorgen ergab es sich, dass verstrahlte Menschen, die ich nie zuvor gesehen habe mit mir in meiner Wohnung Musik und gewisse Substanzen genossen. Es wäre Haarspalterei, entscheiden zu wollen, ob es mehr Musik oder Drogen gab. Verschiedenste Charaktere, die sich nicht kannten, trafen hier zusammen, lernten sich und ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede kennen. Es war friedlich, fröhlich und geprägt von Verständnis und Empathie. Tiefgreifende und stumpfsinnige Gespräche wurden geführt. Ich teilte alles mit diesen Leuten, meine Dusche, mein Essen, mein Bett.

Und irgendwie, ganz leise und unbemerkt kam es, dass dieser Chemiecocktail in unseren Hirnen neben vollkommener Verblödung auch Empathielosigkeit auslöste. Die Pflegeprodukte und Kerzen auf dem Badewannenrand lagen umgefallen und offen herum. Ein Video wurde ohne meine Zustimmung gedreht, dessen Löschung ich rigoros verlangte, als ich das bemerkte. Mit meinem Notebook und den Boxen wurde achtlos umgegangen und man bediente sich einfach, machte andere Musik an oder schloss einen anderen Laptop an ohne mich zu fragen. Und am Ende, als ich dann meine Ruhe wollte und die Leute gebeten habe zu gehen, zitternd und mit Kloß im Hals, hat es nochmal 4 Stunden gerauert bis alle gegangen waren und meine Gastfreundschaft wurde ganz schön ausgenutzt – und das nicht mal mit Absicht! Ich glaube nicht, dass einer den Gedanken hatte „So ich veranstalte hier jetzt Schindluder und ignoriere Libras Bitte“. Aber wenn Menschen zu lange auf Ecstasy und Speed unterwegs sind, verlangsamt sich irgendwann das Denken, logische Schlussfolgerungen gibts nicht mehr und jeder ist irgendwie nur bei sich selbst in dem Versuch, irgendwas zu peilen, sodass man gar nicht bemerkte wie ich mich stundenlang in meiner kleinen Ecke auf dem Bett rumgewälzt und gequält hab oder wie ich ab und zu auf den Balkon geflüchtet bin weil es mir zu viel war (Ich bin in meiner eigenen Wohnung vor den Leuten geflüchtet!?). Es ging mir am Ende einfach nicht mehr gut und davon wurde einfach keine Notiz genommen. Sodass ich zum Schluss heulend da stand und verlangte, dass man nun meine Wohnung verlässt.

Es war ein lustiger Ausflug ins Goaland und eine Premiere, denn zum ersten Mal hatte ich fremde Feierleute tagelang bei mir. Es lagen noch nie so viele Schuhe in meinem Flur. Ich war zum ersten Mal Gastgeberin. Und ich habe ein paar Sachen gelernt.

Ich habe gelernt egoistisch zu sein wo es notwendig ist und dass es egal ist ob die Leute dich für den Arsch halten, wenn es um dein Seelenheil und dein Hausrecht geht.

Ich habe gelernt, dass Menschen ab dem dritten Tag ihre Empathie und Menschlichkeit verlieren ohne es zu merken.

Und ich habe gelernt, bei fremden Feierleuten die zu mir kommen wollen nach dem Alter zu fragen, denn einer meiner Gäste war erst 17, wie sich später herausstellte. („Ich glaub ich probier nächste Woche mal LSD.“ – Wie bitte?!)

Außerdem hat sich mein Verständnis der Spezies „Scheißelaberer“ erweitert. Ich glaub dazu gibts mal nen eigenen Beitrag.

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Ein Gedanke zu “Von Respekt(losigkeit)

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