Verbindungen

Wie man auf meiner Seite über Drogen lesen kann, bin ich in einem Forum unterwegs, dem Land der Träume. Hier kann man sich viele nützliche Infos zu verschiedenen Drogen, Substanzen und psychoaktiven Pflanzen holen, es gibt hunderte Tripberichte und eine interessante Community mit Forum und Chatroom.
Für mich beliebte Themen in diesem Forum sind zum Beispiel der „Kunst und Drogen“-Thread und der „Erkenntnis des Tages“-Thread. In letzterem schreibe ich auch selbst oft kleine Erkenntnisse hinein. Im letzten Monat haben sich da zwei Konversationen ergeben, die miteinander zu tun haben und für mich einen derart wichtigen Denkprozess, ja ich würde fast sagen, abgeschlossen haben, dass ich ihn hier zu Bildschirm bringen möchte.

Kurzer Kontext: Seit meiner Trennung von M. vor nun fast zwei Monaten habe ich sehr oft sehr viele Drogen genommen und das ist mir erst nicht mal aufgefallen. Irgendwann stellte ich fest, dass es ein reiner Verdrängungsmechanismus war. Immer wenn ich nach ein, zwei Tagen Nüchternheit in diese Trauerphase zurückfand, war der Schmerz für mich so unerträglich, dass es für mich nur 2 Möglichkeiten gab: ihn anrufen oder ballern.
Ihn anzurufen fällt aus dem Grund weg, dass ich weiß, dass er mich mehr liebt als alles andere und natürlich wieder mit mir zusammen sein will. Ich habe mich aber getrennt weil mir bewusst geworden ist, dass wir nicht die Partner fürs Leben sind und dass ich etwas anderes brauche. Dennoch habe ich nie eine so starke Verbindung zu jemandem außer meiner Mutter und meiner besten Freundin gehabt, und das vom ersten Tag an. Unsere Seelen gehören zusammen. Aber das Universum hat sich etwas anderes für uns gedacht als das, was wir versucht haben zu sein. Und so bin ich dazu verdammt, jeden Tag seine Stimme hören zu wollen, dein aufmunterndes Lächeln sehen zu wollen, mich ganz klein machen und in seinen Arm kuscheln zu wollen – aber ich darf das einfach nicht tun, weil ich weiß wie es ihn zerreißen würde.
Bleibt nur noch ballern. Muss dazu allerdings sagen, dass ich nun seit genau zwei Wochen keine chemischen Drogen mehr genommen habe. Seitdem kiffe ich fast täglich, würde das jetzt nicht Suchtverlagerung nennen, sondern eher Umschuldung. Ich habe kein Problem mehr damit keine Pillen zu werfen und wenn diese Portion Weed aufgeraucht ist werd ich auch das erst mal lassen.

Sagte sie.

Mein Nickname in dem Forum ist Voller Liebe.
Mit freundlicher Erlaubnis aller Autoren.

 


Voller Liebe 11.07.2016 – 00:01
Der Punkt ist gekommen an dem ich die Erkenntnisse, die ich während und vor allem nach meinem LSD-Trip erlangt habe in die Tat umsetze. Sonst werde ich weiterhin kiffend und pillenfressend mein Dasein verballern und alles was ich gelernt habe bleibt nur gedacht und wird nicht kreiert.


Road 11.07.2016 – 10:43
Erkenntnis: Da ist jemand ein gutes Stück gereift !

Bravo übrigens, Gratulation dazu, das ist der richtige Weg, so macht der Drogenkonsum auch Sinn ! 😉
LG road


Voller Liebe 12.07.2016 – 12:02
Hey danke, dass das ausgerechnet von dir kommt, ehrt mich irgendwie sehr! [Anmerkung der Redaktion: „Road“ ist ein alter Hase in der Community und wir hatten schon ein sehr tiefgreifendes Gespräch zum Thema Egotod] Und es bestärkt mich in dem Glauben, dass es nicht schlimm ist wenn man nach so einem Erlebnis erst mal gar nicht klar kommt, sich in Ballerei flüchtet und zwei, drei Wochen braucht um zu erkennen, wie tiefgreifend die Erfahrung war und welche Erkenntnisse eine Veränderung des Verhaltens verlangen.
Alice hat es mir ermöglicht, mir im Nachhinein meinen eigenen Konsum zu spiegeln und meine Intentionen zu reflektieren. Dafür bin ich sehr dankbar!

Und dir bin ich auch dankbar für diesen Zuspruch!

LiebeLiebe


Der Beitrag auf den ich mich im Folgenden beziehe ist etwas länger. Hier ist der komplette Beitrag zu finden, ich zitiere folglich nur eine bestimmte Passage.


Voller Liebe 25.07.2016 – 12:53

trinity schrieb:

Ich wünsche jedem Menschen, dass er die Dinge auf dieser Welt findet und leben kann, die er braucht und die ihm dabei helfen so gut und oft wie möglich ganz er selbst zu sein (natürlich auch SIE selbst – Gendern und so …. freak).

Es hat ja wirklich jeder so seine Sachen, der eine muss Sport machen und raus in die Natur, damit er sich wohl fühlt, der andere muss so oft wie mgl. was mit seinen Kindern machen und erleben, um zufrieden und glücklich zu sein, wieder andere brauchen ihre Musik im Leben und die Zeit und das Gefühl dafür es auch ausleben zu können, um positiv und gut gelaunt durch die Welt zu schreiten und wieder andere haben ihre ganz eigene Medizin gefunden, die ihnen hilft, sich wohl zu fühlen, sich richtig und erstrebenswert zu fühlen und die einfach perfekt harmoniert mit einem, um zufrieden und gut gelaunt das Leben zelebrieren und leben zu können und sich damit auch so gut und oft wie möglich im Einklang zu befinden.

Das sind wunderbare Worte. Ich habe schon lange erkannt, dass tägliches Kiffen mich zu einem gleichgültigen, psychotischen Klumpen werden lässt. Ich denke ich bin noch auf der Suche nach der einen Sache die mich antreibt. Vielleicht sind es auch mehrere kleine Sachen. Meine Freunde treiben mich an, bzw. die Aussicht, sie zu sehen. Die Liebe treibt mich an, im Moment vor allem die Selbstliebe.
Und die Musik. Nunja, die treibt mich vielleicht nicht an im Sinne von Motivation. Aber sie treibt meinen inneren emotionalen Motor an. Ich höre Musik wenn ich aufwache und wenn ich schlafen gehe, wenn ich trauere und wenn ich lache, ich höre Musik wenn ich an verflossene Lieben denke und wenn ich überlege was ich heute Abend esse. Ich bin mit Musik im Mutterleib rumgeschwommen, mit Musik geboren worden und ich werde mit Musik sterben.

Erkenntnis meines heutigen Tages hängt zusammen mit diesem Beitrag [Hier: Mein erster Beitrag ganz oben]

Ich habe heute erkannt, dass die Hauptlehre aus meinem LSD-Trip nicht ist, dass ich mein Leben ändern muss. In meinem TB hab ich ja schon erkannt, dass die ganzen Lektionen eher kleine sind. Und genau so sollte ich sie auch betrachten. Nur weil ich noch keine Arbeit gesucht hab und noch nicht der mega glückliche neue Mensch bin, heißt das nicht, dass die Lehren verloren sind.
Ich habe wieder angefangen Sport zu machen. Ich gewöhne mir gerade ab, beim Sitzen immer ein Kissen auf meinen Schoß und somit vor meinem Bauch zu platzieren, damit man die Speckröllchen nicht sieht. Ich baue gerade eine neue Beziehung zu meinem Körper auf und – omg das wird mir jetzt beim Schreiben erst bewusst. Es ging Alice gar nicht um meine allgemeine Lebensführung, Außenwelt und Psyche, nein! Es ging um die Beziehung zu meinem Körper! Das hab ich doch auch so in das Buch geschrieben:

Körper.
Akzeptanz.
Grenzen.

Okay….Das flasht mich jetzt.


trinity 25.07.2016 – 13:20
Schön mitzubekommen, wie dich deine Erkenntnis grad geflasht hat, Voller Liebe! 🙂

Du hast schon recht, es muss nicht meine Medizin auch gleichzeitig deine Medizin sein, es muss auch nicht nur ein Ding sein, welches einen zufrieden, fröhlich und gut gelaunt durch die Welt laufen lässt. Es können durchaus auch mehrere Dinge sein und das sind es wohl auch bei den meisten Menschen. Die Kunst ist es in meinen Augen, zu erkennen was einem gut tut und wo man sein kann wie man ist und das dann auch so oft wie möglich zu leben und auszukosten. Natürlich ist es mindestens gleich wertvoll zu erkennen, was einem nicht gut tut und wo man sich unwohl fühlt in seiner Haut und das dann auch so konsequent wie möglich zu meiden.

Sich selbst und seinen Körper zu akzeptieren und irgendwann sogar zu lieben, ist sicher eines der wertvollsten Dinge auf dieser Welt. Wenn man irgendwann mal erkennt, dass niemand perfekt ist, jeder seine kleinen Schönheitsfehler und Macken hat und auch noch lernt, diese bei den anderen zu akzeptieren und anzunehmen wie sie eben sind, lernt man irgendwann auch mal, dass man selber gut ist wie man ist und zwar genauso wie man eben ist. Meine Güte, was sind schon ein paar Speckröllchen, ein paar Falten, wenig Haare, dicke Oberschenkel im Vergleich zu den wirklich wichtigen Dinge im Leben?!?!? Mir sind genau diese Leute besonders sympathisch, die zu ihren kleinen Schönheitsfehlern stehen, die über sich selber lachen können und ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper haben, egal ob nahezu perfekt oder eben ein bisserl mangelhaft (nach den gängigen Schönheitsidealen zumindest).

All das kann man lernen, man muss es einfach nur tun. 😉 Je öfter man erfährt, dass man gut ist wie man ist, umso weniger achtet man auch auf solche Nichtigkeiten wie ein paar Speckröllchen, man erkennt einfach, dass es viel wichtigere Dinge auf dieser Welt gibt. Ein kleines Geheimrezept dazu ist, sich auch nach außen ganz selbstverständlich so annehmen wie man ist, zu seinen Fehlern zu stehen und das auch ganz offen zu zeigen. Je selbstverständlicher ich selber mit meinen Defiziten umgehe, umso leichter fällt es meinem Gegenüber, damit umzugehen.

So, meine Gedanken dazu, musste anscheinend wieder mal raus. cool LG, der trin


Voller Liebe 25.07.2016 – 14:28

trinity schrieb:
„Ein kleines Geheimrezept dazu ist, sich auch nach außen ganz selbstverständlich so annehmen wie man ist, zu seinen Fehlern zu stehen und das auch ganz offen zu zeigen. Je selbstverständlicher ich selber mit meinen Defiziten umgehe, umso leichter fällt es meinem Gegenüber, damit umzugehen.“

Und genau das ist der Punkt bei mir. Ich habe in den letzten 2 Jahren ein Maß an Selbstliebe gelernt, mein 15-jähriges Ich wäre stolz auf mich. Ich gehe offen mit meinen Makeln um, trage Bikini trotz etwas cellulite und speckiger Hüfte. In meinem Wortschatz gibts mittlerweile den Speck-Bonus, weil mir zB nich so schnell kalt wird und ich mich besser auf dem Wasser treiben lassen kann 😀

Trotzdem sind diese mechanismen noch so verankert, wie das mit dem Kissen auf dem Schoß. Ich merke (schon immer, aber seit Alice verstärkt) wie oft ich meine Haltung dem Bild anpasse von dem ich glaube dass andere Menschen es von mir haben oder haben sollen. Ich ermahne mich so oft, meinen Bauch nicht so krass anzuspannen wenn ich in der Bahn sitze, weil wen zur Hölle interessiert es denn, dass ich nen speckigen Bauch habe? xD
Eigentlich total irrational.

Ich denke, dass der Sport und die Ernährung, in Verknüpfung mit meiner gesteigerten Awareness dazu führen werden, dass ich endlich von diesem Bild, das andere von mir haben sollen, ablassen kann.

Danke trin. Du hast mich bestärkt und mit meinen Erkenntnissen weiter gebracht. Würd dir am liebsten nen Kasten Bier schicken 😀


trinity 25.07.2016 – 22:23
Haha, Voller Liebe, damit hast mich grad dazu gebracht, laut loszulachen. 🙂 Danke für deine Antwort und die schönen (und lustigen ^^) Worte in deinem letzten Satz!

Mir ist zu deinen Zeilen noch eingefallen, dass es ganz klar manchmal Situationen gibt, wo man vielleicht etwas attraktiver wirken möchte, oder wo man einfach adrett aussehen möchte (z.B. Vorstellungsgespräch, etc.) und seine Defizite einfach mal verstecken möchte. Was spricht denn dagegen, den Bauch in solchen Momenten einzuziehen, um kurzfristig so zu wirken, wie man glaubt, dass es beim Gegenüber am besten ankommt. Nix leichter als Bauch einziehen, geht ja schnell und relativ leicht und lang, wenn man das atmen nicht vergisst. 😉 Jetzt tun mir grad die Leute leid, mit schiefer Nase oder Riesen-Ohren, die nicht einfach so mal ihre Defizite für kurze Zeit verstecken können. ^^

Umso wichtiger find ich persönlich dann aber wieder, dass ich wirklich nur gaaaaanz wenige solche Momente leben muss, wo ich nicht ich selber sein kann. Im Gegenzug dazu möchte ich dann aber auch bei den Leuten mit denen ich am meisten zsamm bin, wie Freunde, Partner, Familie, Arbeit und so, total frei sein zu können, egal ob Speckröllchen, schiefe Nase oder irgendeinem Tick oder sowas. Und was die Leute in der Bahn angeht, tja, liebe Voller Liebe, genau DARAN erkennst du ja schon, dass vieles daran nur an dir selber liegt. 😉 Denn rein logisch hast ja total recht, wen juckt´s schon, ob die eine junge Frau von vielen in der Bahn, ein bissi Bauch oder einen kleinen Busen oder was auch immer hat? Und was juckt´s dich, sollte es irgendeinem Unbekannten doch mal jucken? Den siehst eh nie wieder und kann dir auch total wurscht sein. Das sollten eigentlich die Situationen sein, wo du eventuell ganz bewusst lernen kannst, dich zumindest vor Fremden nicht wegen solcher Dinge zu schämen. Bei Freunden und geliebten Menschen sollte das sowieso nicht Thema sein und man sollte sich natürlich auch bewusst machen, dass es manchmal einfach so ist, dass man sich mal nicht so wohl fühlt in seiner Haut oder sich denkt, was dieser hübsche Mann oder diese hübsche Frau grad über mich denkt. Klein anfangen zu üben, erst bei den Menschen die einen lieben, dann bei Fremden, die einem eigentlich total wurscht sein können und irgendwann auch mal bei den Leuten, die einen auf irgendeine Art und Weise verschüchtern. Irgendwann lernt man dann so sehr sich selber anzunehmen wie man ist und sich sogar selber zu lieben, dass einen so gut wie niemand mehr verunsichert – denn man wirkt dann so stark auf ganz anderen Ebenen, wenn man selbstbewusst und selbstsicher agiert (ohne diese doofen kleinen Energieblockaden wie Scham, Angst, andere „sinnlose“ Unsicherheiten, etc.), dass solche Dinge wie Speckröllchen überhaupt keine Rolle mehr spielen ….

Sportliche Betätigung und ein gutes eigenes Körpergefühl stärkt auf jeden Fall das Selbstvertrauen und Körperbewusstsein und trägt auch noch zu guter Laune bei, das kann nur gut sein, wie du ja selber schon geschrieben hast.

Alles Liebe an dich und weiter so, Voller Liebe – Prost, ich öffne jetzt ein Bier auf dich! mrgreen LG, trinity



 

Und als seien das nicht genug der Erkenntnisse innerhalb von zwei Wochen, kam heute noch was tiefgreifendes dazu. Meine beste Freundin rief mich gestern an, sie hatte einen Zusammenbruch. Heute erzählte sie, sie war beim Arzt, wollte sich eigentlich nur krankschreiben lassen und hatte am Ende eine Einweisung zum stationären Entzug in der Hand. Sie ist jetzt nicht das harte Drogenopfer, sie geht arbeiten, zu viel sogar meiner Meinung nach und ihr Job ist hart. Und wenn sie nicht arbeitet, nimmt sie Drogen. Kifft viel und konsumiert regelmäßig Ecstasy und Speed.
Wir sagen uns schon seit Monaten, dass wir mal ne Therapie brauchen oder ne Kur oder nen Entzug. Nicht weil wir „süchtig“ nach einer Substanz im klassischen Sinne sind, sondern weil wir regelmäßig einfach nur Bock auf Zuballern haben. Jetzt hat sies einfach gemacht und das hat mich irgendwie total aus der Bahn geworfen eben. Ich habe mich gespiegelt gefühlt und festgestellt wie schlecht es mir gerade eigentlich geht. Am liebsten würd ich 2 Monate Kur machen, irgendwo am Arsch der Welt, mit Therapie und dem ganzen Pi-pa-po.

Donnerstag werde ich eine Beratungsstelle aufsuchen. In meinem Viertel gibt es einen Sozialverein, der verschiedene Angebote hat für sozial schwache Menschen, Drogensüchtige, Menschen die aus dem Knast kommen oder Schulden haben oder Integrationsschwierigkeiten. Zwar würde ich mich in keine dieser Sparten einordnen.

Aber es ist ein Anfang.

Namasté

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s