Überraschendes Wiedersehen

Nach unserem Gespräch am Mittwoch habe ich mich darauf eingestellt, Wochen oder gar Monate zu warten, bis M. den Knoten in seinem Kopf gelöst hat und mir sagt ob er den Kontakt wieder will oder nicht.

Gestern dann, als ich mit A. und E. auf der Terrasse eines schnuckeligen kleinen Restaurants am Badesee saß, klingelte mein Handy kurz.
Es war M.
Ich erschrak innerlich richtig. Damit hätte ich nicht gerechnet und die Situation war auch denkbar ungeeignet, um dieses oder ein anderes ernstes Gespräch zu führen. Der Appetit verging mir schlagartig. Ich schrieb ihm, dass ich am Abend zurückrufen würde. Aber die Ungewissheit fraß mich innerlich auf. Ich sehnte mich nach ihm und noch immer schwebte diese Frage wie ein dunkler Schatten über mir. Würde ich ihn verlieren? Bei dem Gedanken schnürte sich meine Brust zu. Was hatte es zu bedeuten, dass er sich nach einem Tag schon meldete? War das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Ich rechnete mit dem Schlimmsten. Konnte kaum an etwas Anderes denken.
Wir schrieben miteinander. Er schlug vor, dass wir uns auch treffen könnten wenn mir ein persönliches Gespräch lieber wäre. Ich sagte sofort ja. Sollte er entschieden haben, mich nicht in seinem Leben haben zu wollen, würde ich ihn so zumindest noch mal sehen. Der Gedanke beruhigte mich zumindest so weit, dass ich einen schönen Tag mit meinen Freunden verbringen konnte, ohne wie ein melancholischer Kloß gedankenverloren daneben zu sitzen.

Die Heimfahrt dauerte unerwartet lange. Ich war erst gegen 21 Uhr zu Hause und fix und fertig. Der Tag war lang und anstrengend gewesen, wir hatten lange im Auto gesessen. Und viel gekifft. Am liebsten wäre ich einfach eingeschlafen. Aber diese Ungewissheit trieb mich raus und ich fuhr in den benachbarten Stadtteil, um M. zu treffen. War wie fremdgesteuert. Müde, traurig, aufgeregt. Stand neben mir. Und dann stand er vor mir. Ich hatte auch schon vorher gewusst, dass er Pep gezogen hatte. Nicht, dass er es gesagt hätte. Aber ich habe es ihm angemerkt, obwohl wir bis dahin nur geschrieben hatten. Ich fühlte mich wie das Kaninchen vor der Schlange. Wir gingen zur Tanke und kauften uns Bier und Lambrusko. Es hatte keinen Körperkontakt zur Begrüßung gegeben. Das hatte mir ein wenig Angst gemacht. Aber wir konnten uns irgendwie ganz normal unterhalten, lachten miteinander. Fingen an, uns zu erzählen wie es uns ergangen war. Gingen ans Wasser und setzten uns genau da hin, wo wir immer zusammen gesessen und gegrillt hatten. Unser Stammplatz, wenn man so will.

Wir lachten viel. Es war so unerwartet vertraut. Und nach unzähligen Zigaretten, einem Bier und der halben Flasche Lambrusko kamen wir zum eigentlichen Thema. Er sagte, das Ende habe ihn so sehr verletzt, dass er sich schon für einen Masochisten halte wegen der Stimme in ihm, die möchte, dass das mit uns vielleicht noch irgendwie irgendwann funktionieren könne, und hatte dabei einen hörbaren Kloß im Hals. Ich habe ihm gesagt wie sehr er mir gefehlt hat. Und mir wurde wieder mal bewusst, dass er der einzige Mensch auf der Welt ist, der mich wirklich versteht. Und ich weiß, dass das umgekehrt genau so ist. Wir waren wie Magnete. Manchmal kam es uns vor, als sei nie etwas passiert.
Er sagte auch, dass er sich die ganze Zeit die Frage gestellt hat, wie er jemals rausfinden soll ob er meine Nähe erträgt. Und dass er mich aus dem Grund hatte sehen wollen.

Über kurz oder lang bin ich mit zu ihm gegangen und wir haben zusammen ein paar Lines Pep gezogen. Hätte mir das jemand prophezeit, ich hätte ihn ausgelacht. Aber sobald wir uns gesehen hatten, waren wir sofort wieder in der Symbiose. So sehr, dass ich meinen Termin heute Morgen nicht mal abgesagt habe.

Gegen 11 Uhr heute Morgen bin ich dann heim gefahren. Zum Abschied haben wir uns umarmt. Er hofft, dass wir das alles irgendwie hinkriegen. Ich auch. Ich war schon heftig am Runterkommen und merkte direkt, wie überfordert ich war. Als ich zu Hause ankam, musste ich erst mal losheulen. Musste mich richtig zum Schluchzen zwingen, weil Heulen auf Pep irgendwie nicht so gut funktioniert. Ich war vollkommen durch den Wind. Hab da gesessen und geraucht und geheult und wusste nicht, ob ich das jetzt alles schön oder traurig finden sollte. Habe dann mit ihm geschrieben und ihm gesagt wie ich mich fühle und dass ich die ganze Zeit Panikattacken runterkämpfen muss. Meine Vernunft sagte mir, dass er jetzt nicht der Richtige ist um das loszuwerden, aber ich wusste auch, dass meine Freunde meine Lage nicht so ganz verstehen und mit Standardfloskeln reagieren würden. Nachdem ich kurz gebadet, was gegessen und einen Tee getrunken hatte, ging es auch langsam wieder. Der Zustand war wirklich furchtbar gewesen. Ich fühlte mich einsam und hilflos und überfordert und es hat geholfen, mit ihm zu schreiben, einfach weil er mich verstanden hat.

Nun habe ich mich wieder halbwegs erholt. Zwar habe ich noch dieses super widerliche Gefühl in der Brust, das man hat wenn man von Pep runterkommt und mein Rücken bringt mich um, aber ich fühle mich psychisch viel besser. Wenn auch sehr gedämpft.

Es ist auf jeden Fall die richtige Entscheidung gewesen, mich mit ihm zu treffen. Es hat so gut getan, mit ihm auf dieser Ebene zu sein, auf der nur wir sind. Ob das mit dem Ballern auch so ne gute Idee war, weiß ich noch nicht. Es hat mich auf jeden Fall stark gefordert, die alte Symbiose mit allem was dazugehört zu leben, wenn auch nur für ein paar Stunden. Er war mir irgendwann sehr anstrengend, weil er sehr viel „draufer“ war als ich und ich habe mich oft an Negatives erinnert gefühlt. Ich will nicht, dass alles wieder genau so anfängt wie es aufgehört hat.

Wir wollen uns wieder sehen. Und für mich ist die Voraussetzung dafür, dass wir keine chemischen Drogen konsumieren, es sei denn wir gehen feiern. Wenn das alles überhaupt in eine Richtung führen soll, dann kann das für mich nur ohne Pep und Teile funktionieren.

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