Ord-nung

Der Zustand der persönlichen Außenwelt ist der Spiegel für den Zustand der eigenen Innenwelt.

Das mag nicht für jeden Menschen zutreffen, in meiner Welt aber ist das nackte Realität. Dementsprechend war ich heute fleißig und habe meine Wohnsituation meiner Innenwelt angepasst. Fertig bin ich nicht, aber durchaus zufrieden. Seit Wochen stapelte sich das Geschirr, dreckig wie es war, auf der Arbeitsplatte statt im Schrank und die Motivation das zu ändern blieb aus, sodass ich immer nur das sauber gemacht habe, was ich gerade brauchte. Das gehört nun – vorerst – der Vergangenheit an. Ich habe Wäsche gewaschen und aufgehängt, meinen Wohnraum aufgeräumt, den Balkon gefegt und mir ganze drei To-do-Listen zu jeweils eigenen Lebensbereichen geschrieben. Morgen gehts dann weiter mit deren Abarbeitung.

Ist ja schon seltsam. Wie ein Ereignis oder eine Entscheidung von jetzt auf gleich das gesamte Lebensgefühl verändern kann! Und wie das Thema Ordnung mich heute beschäftigt hat. Ordnung in der Wohnung, Ordnung im Kopf, Ordnung im Freundeskreis und die generelle Ordnung des eigenen Lebens.

Die eigene Ordnung ist kaputt. Ordnung im Kopf ist so lange her, dass man gar nicht mehr weiß wie sich das anfühlt und dementsprechend sieht die Bude auch aus. Dann trifft man eine Entscheidung. Es passiert also etwas. In meinem Fall ein Treffen mit einem Menschen, dessen Wichtigkeit für einen selbst man augenscheinlich spät erkannt hat und der möglicherweise entscheidet, dass es zu spät war. Dann geht man ein paar Stunden und Lines später nach Hause, um vor lauter emotionaler Überforderung, gepaart mit körperlicher Auslaugung aufgrund von ungewohntem Monokonsum von Amphetamin erst mal zusammenzubrechen. Man schläft. Braucht einen Tag, an dem man sich ablenkt, indem man einer Freundin bei ihren Vorbereitungen für eine Fotoausstellung hilft. Dann schläft man nochmal. Wacht auf. Und räumt auf. Um einen herum und in einem drin.

So wie bei dieser Szene in dem unendlich tollen Film „Chihiros Reise ins Zauberland“, wo ein stinkender, triefender Faulgott ins Badehaus kommt und einfach nicht sauber wird, egal wie lange man ihn im Kräuterbad sitzen lässt. Schlau wie sie ist, entdeckt Chihiro einen „Stachel“, den der Gott sich eingezogen hat und zieht ihn heraus, mit vereinten Kräften der gesamten Belegschaft. Und was dann aus diesem Faulgott herausgesprudelt kommt! Ein Schwall aus Verdorbenem, Verrostetem, Verschimmeltem. Am Ende war es gar kein Faulgott, sondern ein Flussgott, der das Mädchen für seinen Dienst belohnt. Wie dem auch sei, die Moral dieser Geschichte hat nichts mit meiner Ordnung zu tun. Viel mehr das Gefühl des Flussgottes ist es, was mir gerade im Kopf herumschwirrt. Ich bin befreit von diesem Mantel aus Unwissenheit. Und habe nun endlich die Möglichkeit, meine Ordnung wieder herzustellen.

OrdnungOrdnungOrdnung…und Zack, verliert das Wort seine Bedeutung und hört sich einfach nur noch dämlich an.

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