Gesättigt

So.

Ich bin voll.

Es passt nichts mehr rein.

Ich laufe über.

Von allem was ich in den letzten Wochen aufgesaugt habe wie ein Schwamm, den man vergessen hat auszuwringen.

Fremdgesteuert.

Obwohl.

Eigentlich nicht.

Eher vergesslich.

Ich habe vergessen.

Mir Zeit zu nehmen.

Raum zu lassen.

Für mich.

Für all das was gerade in mir passiert.

Und das ist so anstrengend, dass ich einfach erschöpft bin.

Innerlich ausgebrannt, aber trotzdem noch am brennen.

Müde.

Keine Kraft mehr.

Ich brauche Zeit.

Für mich.

Nur für mich.


Meine beste Freundin war im Entzug und hat ihn abgebrochen, ist danach erst mal abgedreht und hat mich im Stich gelassen.

Meine Seelenverwandte steht dem Nervenzusammenbruch nahe.

Mein Seelenverwandter kämpft weiterhin mit seiner Amphetamin-Sucht.

Meine andere beste Freundin ist im Moment extrem gut gelaunt und redet und redet und redet – und mir fällt es schwer damit umzugehen.

Ich habe in den letzten zwei Wochen gar nichts in Richtung Jobsuche getan und mehrere Termine beim Jobcoaching angesagt.

Das Jobcenter verlangt Nachweise über meine Bemühungen, die nicht stattgefunden haben.

Mein bester Freund ist stark depressiv.

Ich schaffe es nicht die Bescheinigung zur Befreiung von der GEZ zu beantragen, die mir schon im Nacken sitzt wegen dem scheiß unnötigen Beitrag. Ich hab weder einen Fernseher, noch ein Radio.

Meine MDMA-Toleranz ist so hoch, dass die zwei Dinger die ich am Sonntag gefressen habe, gar nichts mehr gebracht haben.

Ich flüchte mich permanent in Treffen mit Freunden, das Drogenforum, Minecraft.

Ich bin ein guter Zuhörer. Und mache fast nichts anderes als das. Sauge die Probleme meiner Freunde auf, bis ich platze.

Ich bin überfordert.

Und dann höre ich von engsten Freunden Sachen wie „Du bist doch arbeitslos, du hast doch Zeit!“
Ohja, Zeit ist da. Genug sogar. Motivation? Überbewertet. Antrieb? Is doch kein Problem, ich muss nur den Arsch hochkriegen! So schwer kann das doch nicht sein. Meine Depression geht schon von alleine weg wenn ich erst mal arbeite.

Niemand ist Schuld an meiner Situation. Ich durchlebe das, weil ich es scheinbar muss. Langsam ist aber der Punkt erreicht an dem ich nicht mehr kann und kurz davor stehe einfach auf alles zu scheißen.

Es muss sich etwas ändern. Undzwar sofort. Und darum tue ich jetzt das was ich nie tue.

Ich setze mir eine Frist.

Denn ich denke, dass der Konsum von Gras und Ecstasy einen sehr großen Teil zu meiner Grundstimmung beiträgt. Ganz zu schweigen von meine Selbstüberforderung mit LSD. 4 Erfahrungen innerhalb von 4 Monaten sind einfach zu häufig. Ich muss mir mehr Zeit lassen, die Veränderung in meiner Denke zu integrieren.

Bisher waren schwammige Zeitangaben ala „ein paar Tage oder Wochen“ Grundstein für meine Behauptung, Pause machen zu wollen. Mit dem Konsum meine ich. Das funktioniert aber nicht. Ich habe mir eben einen Kalender gezeichnet, der bis Ende des Jahres geht. Ich möchte mindestens bis zum 31. Dezember keine illegalen Substanzen zu mir nehmen und werde jeden erfolgreichen Tag kennzeichnen. Trotz der Legalität gehört 1P-LSD natürlich auch dazu.

Außerdem werde ich zu den wöchentlichen, offenen Meditationsrunden im Buddhistischen Zentrum gehen. Ich denke, das wird mir helfen mich zu fokussieren und meinen Geist wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Ich habe mir vorgenommen, das durchzuziehen. Aber auch, mich im Falle eines Rückschlags nicht ins Loch fallen zu lassen.

Wünscht mir Kraft.

Namasté


Bildquelle: http://www.deviantart.com/art/Final-Destination-153609117

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4 Gedanken zu “Gesättigt

  1. Denk doch gelegentlich über die Wirkung deiner Lieblingsdrogen nach. Bis Emma wieder voll wirkt, sollten mindestens 4, besser 8 Wochen ins Land gehen. Für LSD ist n halbes Jahr ganz gut. Dann überrascht es wieder. Wenn man nur einmal im Monat kifft, kommt das auch ziemlich trippig.

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    • Da erzählste mir nix Neues 😉

      Schwierig wird das dann, wenn fast alle Freunde diese Drogen nehmen. Ich denke, ich sollte meinen Freundeskreis um ein paar Exemplare erweitern, die das nicht tun.

      Wäre vielleicht auch eine Regel die ich unter die Rubrik „Drogen“ packen kann. Also das mit den Pausen zwischen den Erfahrungen.

      Gefällt 1 Person

      • Weiß ich, daß du das weißt. Aber was wir hier tun, über problematisches Konsumverhalten kommunizieren, hilft dagegen. Ich würde deshalb raten: Verbiete dir nichts. Sag nicht, ich will keine Drogen mehr nehmen. Sag, ich will ausschließlich das absolute Wow-Erlebnis. Verehre den Stoff noch viel mehr. Wie die schweineteure Flasche Süßwein, die mit jedem Jahrzehnt teurer und geiler wird. Nur das der Wein in dem Fall der Transmittervorat deines eigenen Körpers ist. Und mit den Freunden: Häng dich doch wieder in Partyorganisation rein. Wo man nüchtern sein muß.

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        • Du hast vollkommen Recht mit dem was du sagst. Und ganz aufhören will ich ja auch gar nicht. Wo kämen wir denn da hin!? Nur mal ne Pause einlegen. Das mit den zwei Pillen die nicht mehr gewirkt haben, hat mir ganz schön Angst gemacht. Ich will mir damit selbst beweisen, dass ich das kann. Ich weiß, dass ich das kann. Und ich empfinde es als notwendig. Damit ich (das hast du übrigens sehr schön ausgedrückt) den Stoff wieder verehren lerne, statt ihn als Laster zu betrachten.

          Das mit der Partyorganisation ist keine schlechte Idee. Allerdings kostet das auch viel Zeit und Kraft die ich einfach nicht habe im Moment. Und klar „sollte“ man da nüchtern sein. Sind die meisten aber nicht.
          Hast mich damit aber grad echt auf den Trichter gebracht. Wenn ich mich stabiler fühle versuch ich das mal. (Und was heißt wieder? Ich kenn zwar die Leute aber war an Organisation von Partys nie beteiligt.)

          Danke für Deine Ratschläge! Du gibst mir mit deinen Gedanken so oft genau das was ich hier suche: eine andere Perspektive. Als würd ich plötzlich ein bisschen höher am Berg stehen und mehr vom Wald sehen können ❤

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