Eine total verrückte Reise

In diesem Tripbericht geht es um meine zweite psychedelische Erfahrung mit 1P-LSD.

Zur Vorgeschichte: Am Freitag, den 12.08.2016 machte ich mich Nachmittags auf den Weg zu meinem Kumpel B., den ich über ein Forum kannte. Wir hatten uns schon das ein oder andere Mal getroffen und waren auf einer Wellenlänge, verstanden uns sehr gut. Ich hatte meine 1P-LSD-Blotter eingepackt, da ich wusste, dass B. nicht abgeneigt sein würde, einen Trip mit mir zu starten. An dem Abend bot er mir an, Opiumtee mit ihm zu trinken. Dieses Angebot konnte ich nicht ausschlagen, also tranken wir zwei Tassen (ich habe ca. 1g Opium konsumiert), rauchten dazu ein paar Tüten und schliefen irgendwann ein. [Zu dieser, meiner ersten Opiumerfahrung werde ich noch einen gesonderten TB schreiben]

Am nächsten Morgen wachten wir gegen 10 Uhr auf und verbrachten einen entspannten Morgen. Rauchten die ein oder andere Tüte im Bett, unterhielten uns, dösten noch ein bisschen und frühstückten irgendwann dann auch. Ich fühlte mich noch ziemlich high vom Vorabend, wie man das halt so kennt wenn man abends zu viel kifft. Nachwirkungen vom Opium merkte ich nicht wirklich, aber zu meiner allgemeinen Entspannung an diesem Morgen wird es sicherlich beigetragen haben.

Draußen knallte die Sonne mit aller Kraft. Ungefähr zwischen 12 und 13 Uhr packten wir unsere Sachen (Schwimmsachen, Handtücher, Soundbox, Jonglierbälle, Rauchzeug, Mein Skizzenbuch+Stifte, diverse Kleinigkeiten) und machten uns auf dem Weg zum See. Wir legten einen Zwischenstop beim Rewe ein, um noch was zu trinken zu holen, setzten uns in die Bahn und nach zwei Stationen und ca. 15 Minuten Fußweg durch eine Siedlung und die Pampa waren wir endlich angekommen. Der kleine See befindet sich in einem Naturschutzgebiet und ist recht versteckt, sodass nur wenige Leute an den kleinen Buchten zwischen den Bäumen saßen und das Wetter genossen. Wir ließen uns an der Spitze einer kleinen Landzunge im Schatten nieder, machten Musik an und unterhielten uns. B. Rauchte die ganze Zeit über die ein oder andere Tüte, ich hatte beschlossen während des Trips nicht zu kiffen, da ich bei meiner ersten Reise vor zwei Monaten festgestellt hatte, dass ich mit der katalysierenden Wirkung von Marihuana während eines Trips noch nicht so gut zurecht komme. Damals hatte es mein negatives Kopfkino sehr krass angekurbelt und die Optiks hatten es mir sehr schwer gemacht, einzuschlafen. Diesmal wollte ich sehen, wie der Trip verlaufen würde wenn ich gar nicht kiffte. Das sollte sich als gute Entscheidung herausstellen.

 

Die Reise beginnt

B. und ich holten unsere Blotter heraus, prosteten uns zu und legten uns die Schnipsel unter die Zunge. Ich hatte 75µg 1P-LSD, wobei ich nach einer Stunde nochmal 25µg nachlegte und B. konsumierte 250µg ALD-52, obwohl ich kommuniziert hatte, dass ich es besser fände, wenn wir die selbe Dosis konsumieren würden.

Diesmal war ich nicht ansatzweise so aufgeregt wie beim ersten Mal. Ich fühlte mich gut, freute mich auf die Reise.

Wir unterhielten uns, ich rauchte, er kiffte, wir testeten die Wassertemperatur mit unseren Füßen (sie war perfekt!). Irgendwann wurde die Aufregung immer mehr, ich spürte wie ich langsam drauf kam. Diesmal ließen die Optiks auf sich warten. B. und ich standen mit den Füßen im Wasser und bemerkten, wie langsam die Farben satter wurden. Der leichte Wind kam über den See in unser Gesicht geweht und hinterließ kräuselnde Muster auf dem Wasser, die sich auf uns zubewegten. Dieses Kräuseln wurde immer magischer, irgendwie plastischer. Das Wasser sah für mich irgendwann aus wie flüssiges Quecksilber mit seiner perlmuttartigen Oberfläche. Die Bäume am anderen Ufer wogten im selben Wind und bekamen einen mächtigen Charakter, wie Wächter die den See bewachten.

B. fiel auf, dass die Sonne wohl hinter den Bäumen bleiben würde. Ein Stück weiter hatten zwei Typen mit einem Hund einen riesigen Sonnenplatz direkt am Ufer ergattert. Wir beschlossen, uns dazu zu gesellen. Also packten wir unsere Sachen zusammen und zogen um. Auf dem Weg veränderte sich schlagartig mein Hautgefühl: an den Stellen wo Kleidung meine Haut berührte, fühlte es sich unglaublich samtig weich an und ich spürte fast schon die einzelnen Fasern die über meine Haut strichen. Der leichte Wind auf meiner Haut… unbeschreiblich. Und unter meinen Füßen konnte ich jedes noch so kleine Steinchen spüren auf das ich trat.

Bei meinem ersten Trip hatte ich mich kaum halten können vor Lachen, wenn ich einen nüchternen Menschen gesehen hatte, doch diesmal war das nicht so. Ich konnte mich relativ normal mit den Typen unterhalten, auch wenn ich sicher bin, dass ihnen klar war, dass wir auf Droge waren. Die beiden hörten ähnliche Musik wie wir, also stellten wir die Box zwischen uns und hörten Andhim (https://soundcloud.com/andhim/andhim-hausch), was sich als perfekte Tripmusik herausstellte. Ich kannte den Künstler vorher noch nicht und ließ einen der beiden Typen den Namen in mein Skizzenbuch schreiben. Wir stellten uns vor und mir fiel sofort auf, wie süß er mich anlächelte und wie er sich gab – er war definitiv nicht uninteressiert, mich kennen zu lernen und setzte sich selbst in Szene mit seinem nackten Oberkörper und seinem netten Lächeln. Das brachte mich irgendwie zum Schmunzeln, denn ich wusste, dass mir das ohne Alice wahrscheinlich nicht so aufgefallen wäre. Aber ich ging nicht drauf ein, er war nicht mein Typ und überhaupt hatte ich gerade „andere Sachen“ im Kopf.

Ich hatte schon die ganze Zeit das Bedürfnis gehabt, schwimmen zu gehen. Nun, da wir einen schönen sonnigen Platz hatten, war es soweit, ich zog mich aus und ging mit einem Gefühl des absoluten inneren Friedens und der Euphorie langsam ins Wasser. Es fühlte sich herrlich frisch an und ich fühlte mich pudelwohl im kühlen Nass. Der Grund war mit ganz weichen Pflanzen bewachsen und ich genoss es, mit den Füßen darüber zu laufen. Ich ging so weit hinein, dass ich bis zur Nase unter Wasser war und sah mich um. Die Bäume wogten und bewegten sich, es sah aus wie ein bewegtes Gemälde. Zusammen mit dem blauen Wasser darunter und dem blauen Himmel darüber ergab das einen so intensiven Kontrast, dass ich kaum weggucken konnte. Das Wasser auf meiner Haut war wundervoll, ich konnte jede Verwirbelung spüren und fühlte mich von dem See willkommen geheißen. Meine Umgebung bewegte sich immer mehr, ich sah die satten Farben und wogenden Bäume und die Wasseroberfläche kräuselte sich um mich herum. Mit der Zeit wurde es bunter, es war als würde sich ein Filter über meine Augen legen, durch den alles eine bunt wirbelnde Textur bekam. Ich verschmolz richtig mit dem Wasser. Es war, als wäre da gar kein Wasser mehr, ich spürte den Temperaturunterschied gar nicht mehr, sondern schwebte in dieser nassen Sphäre umher.

Irgendwann wurde mir bewusst, wie mein Körper eigentlich langsam auskühlen müsste wegen dem kalten Wasser und verließ den See, um mich in der Sonne trocknen zu lassen.

Während meines ersten Trips vor zwei Monaten, oder besser, Wochen danach war mir aufgefallen, dass Alice mir gezeigt hat, dass ich eigentlich ein größeres Problem mit meinem Körper habe als ich dachte. Ständig hatte ich meine Haltung korrigieren müssen, wenn ich unter Menschen war. Wenn ich saß, musste ich meine Tasche auf dem Schoß und somit vor meinem Bauch haben, damit man meine Speckröllchen nicht sah. Während des Trips war dieses Sich-verstecken-wollen sehr ausgeprägt gewesen und ich hatte mich teils sehr unwohl in meinem Körper gefühlt. Meine Erkenntnis war gewesen, dass ich eigentlich nur solche Angst davor habe was die anderen denke, weil ich selbst jeden Menschen den ich sehe sofort bewerte. Wenn ich also jemanden sah der übergewichtig oder „hässlich“ war, habe ich dem meinen Stempel aufgedrückt, ohne es zu merken. Und nur deswegen hatte ich Angst vor der Meinung anderer Menschen, die mich für hässlich halten könnten. Aber genau darin liegt auch die Rettung. Denn wenn ich so jemanden sehe, den ich als unschön empfinde, dann vergesse ich diesen Menschen sofort wieder. Der Mensch ist mir egal und ich habe deswegen keine schlechte Meinung von ihm. Ergo kann es mir vollkommen egal sein, was die anderen Menschen in der Bahn oder im Schwimmbad von meinen Speckröllchen halten, denn die werden mich ebenfalls sofort wieder vergessen. Seit mir das bewusst ist, konfrontiere ich mich selbst damit, in entsprechenden Situationen meinen Körper offen zu zeigen, die Spannung von meinem Bauch zu nehmen und mich einfach so zu geben wie ich bin, frei zu sein.

Jetzt, während des zweiten Trips, konnte ich diesen Gedanken manifestieren und leben. Ich ließ los, hörte auf meinen Bauch anzuspannen und es war mir egal, dass meine Bermuda-Badehose unvorteilhaft für meine Figur war. Ich war frei von dem Zwang, mich ins „richtige“ Licht rücken zu müssen und konnte mich entspannen und vollkommen dem Trip hingeben.

Wie ich da so lag, schloss ich die Augen und vergrub sie in meiner Armbeuge, damit die Sonne nicht so blendete. Vor meinem inneren Auge sah ich dann ganz dünne, helle Fäden, die sich wanden wie kleine Würmer und sehr vielschichtige, Mandala-artige Muster bildeten. Das sah ungefähr so aus, wenn auch nicht so 100%ig: https://youtu.be/O5RdMvgk8b0?t=9m4s

B. war mittlerweile auch ziemlich hart am trippen und das sah man ihm auch an. Da er eine viel höhere Dosis hatte als ich, war er dementsprechend auch sehr viel beschäftigter mit sich und dem Trip, aber das störte mich nicht. Auf einmal kam ein Pärchen mittleren Alters mit zwei Hunden. Ich sah den einen Hund und wusste einfach sofort, dass der Hund kürzlich Mutter geworden war. Er hatte einen etwas schlabbrigen Bauch und man sah die Zitzen – das wäre mir wahrscheinlich niemals aufgefallen, wäre ich nicht auf LSD gewesen.

B. und ich bekamen zwischendurch einen harten Lachanfall, ich weiß aber leider nicht mehr so richtig aus welchem Grund. Einmal klebte mein Blick förmlich auf den Bäumen am anderen Ufer und dieses Wirbeln der Farben wurde immer intensiver, sodass irgendwann alles miteinander zu verschwimmen schien. Durch ein Gespräch wurde ich leider abgelenkt, aber ich glaube, ich hätte mich diesem Farbenmatsch wahrscheinlich ewig hingeben können.

Irgendwann meinte B., dass er die Tüte noch aufrauchen und dann gehen wollte. So langsam wurde es uns etwas zu stressig mit den ganzen anderen Leuten um uns herum. Also begannen wir, unsere Sachen zu packen, was gar nicht mal so einfach war, weil wir einfach so unfassbar drauf und verpeilt waren, dass es sehr lange dauerte, bis wir seine und meine Sachen identifiziert und in den richtigen Rucksack gepackt hatten. Schnürsenkel binden dagegen ging mir sehr leicht von der Hand. Als wir alles gepackt hatten, verabschiedeten wir uns und traten den Weg durch die Pampa an. Es war sehr heiß, wir schwitzten wie sau und der Weg war extrem anstrengend für uns. Wir folgten dem gleichen Trampelpfad, über den wir gekommen waren und der war teilweise sehr unwegig. Als wir da so durch das Gestrüpp stolperten, hatte ich mit einem Mal das Gefühl, als würde nicht ich mich durch die Welt bewegen, sondern als würde mein Bewusstsein still stehen und die Welt bewege sich um mich herum. Ich spürte zwar meinen Körper wie er sich bewegte, aber er schien abgetrennt zu sein von meinem Selbst, das einfach stillstand und die Welt an sich vorbei ziehen sah.

Dann erreichten wir die Siedlung, durch die wir hindurch mussten. Die Optik fand ich hier sehr interessant, denn noch immer war alles mit diesem bunten Schleier überzogen und wirkte dreidimensionaler als sonst. Zum Glück kannte B. sich hier gut aus und fand trotz seines Zustands den Weg, denn ich hätte mich dort auf jeden Fall hoffnungslos verlaufen.

Dann kamen wir an der Bahnhaltestelle an, wir hatten noch 7 Minuten bis die Bahn kam. Ich hatte kurz vorher beschlossen, noch mit zu B. zu kommen um erst mal auf den Zustand klarzukommen, bevor ich oder wir uns auf den Weg zu einer Goaparty machen wollten. Gegenüber war ein REWE und B. hatte plötzlich den unglaublichen Drang, sich so nen Eimer mit Eis zu kaufen. Wir überlegten ob wir das schaffen würden, innerhalb von 7 Minuten wieder an der Bahn zu sein, doch noch bevor wir das überhaupt entschieden hatten, rannten unsere Körper schon über die Straße und in den Laden. Und da drin überrollte mich dann die totale Reizüberflutung. Ich finde solche großen Geschäfte ohnehin immer sehr anstrengend, doch nun, auf LSD, war dieses Gefühl des Überflusses noch viel krasser. Ich lief total verbacken B. hinterher und hatte eher das Gefühl, dass wir total orientierungslos durch den Laden irren, aber plötzlich standen wir vor dem Eisregal und konnten endlich zur Kasse. Die Schlangen an den vier offenen Kassen waren lang. Scheiße. Wir würden die Bahn bestimmt nicht mehr kriegen. An unserer Kasse ging es erst ganz schnell, bis jemand scheinbar was umtauschen wollte und es Probleme mit der Kasse gab. Wir waren sehr ungeduldig, aber niemand machte Anstalten uns vor zu lassen und wir trauten uns in unserem Zustand auch beide nicht, diesen Gefallen einzufordern. Irgendwann wurde B. dann so verärgert, dass er das Eis wieder weg brachte und beim Vorbeigehen an der Kasse sich lauthals beschwerte, was ich als sehr unangenehm empfand. In dem Moment beschloss ich, dass ich nicht mit zu B. fahren würde, sondern mich allein auf den Weg zur Party machen wollte. Ich konnte es mir auch einfach absolut nicht vorstellen, jetzt irgendwo drin zu sein, ich wollte draußen und frei sein und ich kam auf meinen Zustand, im Gegensatz zum letzten Mal, so gut klar, dass ich mir das auch zutraute. B. fand das schade, ich fragte ihn noch ob er klar kam und nach Hause finden würde, was er bejahte. Er hatte schon zig Erfahrungen mit Psychedelika hinter sich, auch in höheren Dosierungen, daher war ich mir sicher, dass er zu Hause ankommen würde.

 

Auf mich gestellt

Ich setzte mich also in die Bahn in die andere Richtung, nachdem ich mit Hilfe einer App nachgesehen hatte, wo ich hin musste. Das allein war schon sehr abenteuerlich, denn die Buchstaben auf meinem Handydisplay bewegten sich und zitterten und generell sah es aus, als wäre in meinem Handy alles dreidimensional und als könne man mit der Hand hineingreifen. Es waren zwar nur zwei Stationen, aber die Fahrt war für mich total anstrengend, weil die Bahn recht voll war und sich durch meine verschobene Optik die Gesichter der Mitfahrenden verzogen. Ich war heilfroh, als ich aussteigen konnte.

Da stand ich nun, ganz alleine und musste erst mal umsteigen. Das gestaltete sich als schier unmöglich, denn diese Bahnstation war auf drei Ebenen verteilt und es gab sehr viele Treppen. Ich kannte mich nicht so gut aus und war vollkommen verwirrt. Ging eine Treppe hoch, von der ich glaubte es sei die richtige, kam oben an und stellte fest dass ich eigentlich genau auf die andere Seite des Gleises musste. Also Treppe wieder runter, doch ich fand beim besten Willen nicht die Treppe, die aufs richtige Gleis führte! Also setzte ich mich erst mal auf einen Treppenabsatz und versuchte, mich zu ordnen. Da fiel mir auch auf, dass seit der Einnahme des 1P-LSD erst 4 Stunden vergangen waren! Ich konnte es kaum fassen, ich war der festen Überzeugung gewesen, dass ich bald mal wieder landen müsste! Aber gut, das hatte ich bei meinem ersten Trip ja auch, von daher beunruhigte mich das keineswegs. In meiner Tasche fand ich einen Apfel, den ich mir ziemlich gierig einverleibte, da ich etwas Kopfschmerzen hatte und wusste, dass das von der Hitze und vom Flüssigkeitsmangel kommen musste.

Musik! Ich friemelte irgendwie meine Kopfhörer raus, setzte sie auf, verband sie mit meinem Handy, nur um das ganze sofort wieder rückgängig zu machen, weil ich einen Kumpel anrufen und nach der Wegbeschreibung zur Party fragen musste. Das Gespräch verlief ganz normal, obwohl ich eigentlich total überfordert und auch etwas verzweifelt war und ihn um Hilfe bitten wollte. Aber gut, irgendwie schickte er mir dann die Wegbeschreibung und ich setzte die Kopfhörer wieder auf, nachdem das Gespräch beendet war. So. Ich wusste nun also wie ich zur Party kam, aber das Rätsel um die unerreichbare Treppe war noch immer nicht gelöst. Ich ging wieder runter ins „Erdgeschoss“ und blickte mich verwirrt um. Da sah ich einen Typen in meinem Alter, der ganz genau so verzweifelt und verwirrt aussah wie ich. Ich ging auf ihn zu und fragte ihn, ob er auch so verwirrt von den ganzen Treppen sei wie ich.

„Nein, da oben am Gleis liegt ein verletzter Piepmatz,“ sagte er und ich merkte wie aufgebracht er war, schon den Tränen nahe. Okay, das überforderte mich jetzt endgültig. Und mit Erschrecken stellte ich fest, wie ich diese Wendung der Geschichte als lästig empfand, weil ich mich jetzt um Himmels Willen nicht um einen verletzten Vogel kümmern wollte, sondern zur Party! Aber ich ermahnte mich zu Mitgefühl und auch dazu, mich treiben zu lassen und mal zu sehen, wo das alles hinführen würde. Wir liefen also etwas verwirrt hin und her und überlegten, wo in der Nähe ein Tierarzt wäre, bis ich vorschlug, dass er mir das Tier mal zeigen sollte. Wir gingen also eine der tausend Treppen hoch, ans Ende vom Gleis und da saßen zwei Tauben. Scheinbar ging es dem Vogel wieder gut, denn er machte einen quickfidelen Eindruck und lief davon, als der Fremde sich ihm näherte. Irgendwie glaube ich, dass diese Taube uns zusammengeführt hat in dem Moment, denn der Typ (der Rettungssanitäter war, wie er mir erzählte) wollte auch zur Party und ich konnte ihm die Wegbeschreibung geben. Im Gegenzug brachte er mich zu meinem Gleis und fuhr auch noch ein Stück mit in der Bahn. Während dieser ganzen Geschichte hatte ich einen sehr intensiven Bodyload, war total aufgeregt. Mir ging es nicht schlecht, aber das ganze war schon ziemlich anstrengend, weil es auch immer wieder untermalt war von starken Optiks, Farben waren intensiver, Formen waberten vor sich hin und dann die ganze Zeit dieser bunte Schleier, der allem diesen psychedelischen Charakter gab, nicht zu vergessen von dem starken Tripgefühl, das niemand jemals ansatzweise verstehen könnte, der noch nie Psychedelika konsumiert hat.

Die Bahnfahrt verlief ereignislos, ich ließ den Rettungssanitäter in mein Buch schreiben und musste umsteigen, natürlich nicht ohne vollkommen überfordert zu sein von allem was ich in den Händen hielt: Tasche, Handy, Kopfhörer und der Stift waren mehr als genug Dinge um mich in so einem Zustand geistig außer Gefecht zu setzen. Trotzdem kam ich irgendwie auf der anderen Seite des Platzes an, um dort noch einmal in eine Bahn zu steigen und 15 Minuten bis zum Ziel zu fahren. Ich weiß noch, dass diese Zeit mir endlos vorkam. Ich blickte aus dem Fenster und ließ die Optik auf mich wirken. Was ich in der Zeit gedacht habe, weiß ich nicht mehr. Vielleicht habe ich auch einfach gar nicht gedacht. Endlich angekommen, musste ich jetzt eigentlich nur noch der Wegbeschreibung folgen, einem kleinen Bild auf meinem Smartphone, das noch dazu recht unscharf war. Doch wie es die Fügung so wollte, begegnete ich anderen Goanauten die, oh Überraschung, auch zur Party wollten. Es war eine Gruppe von 3 Leuten und bei einem von ihnen bekam ich fast einen Schreck. Er war schätzungsweise 40 Jahre alt und man sah ihm seinen Dauerkonsum sehr krass an. Meinte er hätte nur etwas Pepp gezogen, aber hatte einfach diesen irren Blick, schlechte Zähne, seltsame Motorik, als wäre er auf allem und noch mehr am trippen. Wir gingen ein ganzes Stück zusammen Richtung Party und kamen irgendwann in den Wald, was für mich eine große Erleichterung darstellte. Ich spürte richtig wieder die Euphorie in meiner Brust aufsteigen, die Bäume und überhaupt alles wogte wieder so schon vertrippt und die kühle Luft war extrem angenehm auf der Haut. Abgesehen davon tat es gut, jemandem erzählen zu können, dass ich auf LSD war.

Irgendwann erreichten wir eine asphaltierte Straße, im selben Moment hielt ein ziemlich alt aussehendes Wohnmobil direkt neben uns und sein Fahrer wurde von den anderen freudig begrüßt. Sie unterhielten sich kurz und machten Witze darüber, dass er uns ja mitnehmen könne (In dem Ding ist kein Platz für 4 Leute) und er war im Begriff zu fahren, als es mich packte und ich ihn hastig fragte, ob er mich mitnähme. Nach kurzem Zögern, während dem die anderen meinten „Komm, nimm sie mit, die hat ne lange Reise hinter sich“, willigte er ein und schwupp waren wir auf dem Weg. Es war warm, die Sonne schien, die Landschaft flog rechts und links an mir vorbei – nein, ich flog durch die Landschaft hindurch, während das Ende der Straße immer weiter wegzoomte, das Wirbeln wurde zu einem Fließen, ich fühlte mich frei und glücklich und dankbar für jeden Augenblick. Der Fahrer des 20 Jahre alten Wohnmobils kam gerade frisch von der Ozora, einem großen Goafestival und war noch recht verstrahlt, machte aber einen frischen Eindruck. Wir unterhielten uns über LSD und Drogen allgemein und über Glaube und Spiritualität. Er ging schon seit fast 15 Jahren auf Goapartys und nahm ab und an auch LSD. Er beschrieb, dass er auf Acid schon lange keine Optiks und Verpeiltheit mehr habe, er sei ganz ruhig und erhaben und wisse einfach bescheid. Über die Abläufe um ihn herum, einfach alles.

 

Psychedelic Partyvolk

Die Fahrt lief bis auf ein permanentes Gefühl von Abenteuerlust, Freiheit und innerem Frieden begleitenden bunten, wabernden Optiks, ereignislos. Wir kamen an, packten unsere sieben Sachen und gingen einen breiten Weg durch dichten Wald entlang. Nach etwa 15 Minuten Fußweg, unterbrochen von vorsichtigem Herunterrutschen eines erdigen Steilhangs, was für mich der Inbegriff von Abenteuer war, erreichten wir die Party. Sie war direkt am Ufer eines ruhigen, von Bäumen umschlossenen Sees. Direkt am Sandstrand und in dessen Umfeld chillten, tanzten und lachten bestimmt schonmal 50 Leute. Über einen kleinen Hang kam man nach oben zum Dj-Pult, vor dem auch nochmal mindestens genau so viele Menschen vorwiegend tanzten und im Hintergrund chillten. Ich sah mich um, ob ich jemanden erkannte, was sich wegen der fleißig vor sich hin schlingernden Optik und dem Gewusel der Leute als extrem schwierig herausstellte und bahnte mir einen Weg am Strand vorbei zum Dancefloor. Die Musik war gut, doch die ersten Übergänge die ich mitbekam, klangen unharmonisch und übersteuert. Ich sah und begrüßte den ein oder anderen den ich kannte und tanzte ein bisschen vor mich hin, während ich versuchte, mich an die Situation zu gewöhnen. Die Eindrückte waren positiv, aber anstrengend und irgendwie fühlte ich mich ein wenig verloren, so ohne Begleitung. Die nicht besser werdenden Übergänge in der (vielleicht genau aus dem Grund) schlechter werdenden Musik machten die Situation noch seltsamer. Wenn ich tanzte fühlte ich mich sehr gut, aber immer wenn die der Bass dann übersteuert wurde oder das Lied kurz aussetzte, wurde auch die Harmonie in mir irgendwie zerstört und auch mein Körper stockte ja, weil der Rhythmus flöten ging. Deshalb saß ich eigentlich auch mehr als dass ich tanzte, legte mich mit dem Rücken auf die überall ausgebreiteten Decken und genoss die Optiks. Das grüne Blattwerk und der blaue Himmel mit den im Dämmerlicht angestrahlten Wolken war zwar objektiv betrachtet nichts Besonderes oder Episches, aber mit der optischen Veränderung durch das LSD wirkte es einfach bombastisch. Das kann man nicht in Worte fassen, es ist als würden die Farben ineinander verlaufen wie Aquarellfarben, aber nicht so dass man nicht mehr erkennt was da vor einem ist. Es scheint einfach alles zu fließen aber irgendwie auch nicht.

Besonders viel nachgedacht habe ich in der Zeit nicht, ich war viel zu gesättigt mit Eindrücken. Ich unterhielt mich zwischendurch mit einem Mädchen, vielleicht 18 Jahre alt, und lebte mein mütterliches Bedürfnis aus, ihr die Goaszene erklären zu wollen, natürlich nicht ohne sie nach den Lobpreisungen von Menschlichkeit, Liebe und Musik davor zu warnen, wie gefährlich es dort sein konnte und dass man sich nur allzu leicht im Drogensumpf wiederfand. Jonglieren ging schon nicht mehr wirklich, dafür wurde es auch zu dunkel.

Und mit der Dunkelheit kam das Unwohlsein. Ich merkte, wie ganz langsam, ganz unterschwellig, die gesamte Situation immer ungemütlicher wurde. Diese ganzen Leute… in der Dämmerung waren schon alle schwer zu erkennen gewesen, doch jetzt begann die schlingernde Optik, einen Nachteil zu entwickeln, denn die Gesichter der Menschen, die auch schon im Tageslicht teilweise unheimliche Formen annahmen, wurden immer gruseliger. In dieser Situation fühlte ich mich nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Ich bekam Hunger, packte die Fertig-Nussecken aus die ich dabei hatte und aß die Hälfte davon, bis mir schlecht wurde, weil sie einfach so verdammt süß waren. Das Gefühl der Einsamkeit wurde stärker. Mir wurde klar, dass ich hier, obwohl ich umringt war von bestimmt hundert Leuten, ganz alleine war. Ich war einsam. Die Menschen auf dieser Party waren zwar da, aber ich hatte keinen Draht zu ihnen, kein Verbundenheitsgefühl wie ich das von Goa kannte. Ich sah mich um und sah Minderjährige, die hier eigentlich nichts zu suchen hatten. Und vor allem sah ich die Konsumenten. Also ich meine jetzt nicht Konsumenten an sich, Konsum ist ja nichts schlimmes. Und ich will hier auch keinesfalls das Leben der Anderen verurteilen, das will ich mal grad kurz klarstellen, weil es da schon Diskussionsbedarf gab. Ich mag den Großteil dieser Leute sehr gerne und würde es mir niemals rausnehmen, deren Leben als schlechter einzustufen oder zu behaupten, so könne man nicht glücklich werden! Jeder Jeck ist anders. Aber in diesem Moment, als ich da saß, ganz alleine, in dieser für mich vollkommen neuen Situation, da ich vorher nie auf LSD eine Goaparty besucht hatte, da wurde mir klar, was es bedeutet, sich für diesen Weg zu entscheiden. Ich sah die ganzen Menschen die ich nun seit 3 Jahren kenne und von denen viele süchtig und/oder arbeitslos sind. Fast alle waren drauf auf sonst was und so blickte ich in viele kalte Augenpaare. Ich sah Leute die sich umarmten, aber es fühlte sich unecht an. Das war doch reiner Wahnsinn! Und ich mittendrin im Drogensumpf, mutterseelenallein. Dieses Gefühl war furchtbar und trotzdem würde ich nicht sagen dass es mir wirklich schlecht ging, sonst hätte ich auch sicherlich jemanden um Hilfe gebeten. Denn auf der anderen Seite war da immer noch dieses Gefühl von Selbstbestimmtheit, denn ich war ja schließlich freiwillig hier und konnte gehen wann immer ich wollte! Oder könnte den Typen mit dem Wohnwagen fragen ob ich mich in selbigen legen darf. Oder jemanden den ich kenne fragen was ich tun soll. Aber all das war nicht nötig, denn ich war ja nicht zum ersten Mal auf ner Goa, sondern zum zweiten Mal auf LSD und das würde ich schon gehändelt bekommen!

Einen Haken hatte die ganze Geschichte nur. Mein bester Freund wollte auch noch zur Party kommen. Er wusste nicht, dass ich auf Acid war. Als er anrief, war ich extrem erleichtert. Endlich. Jemand, der mich kennt. Dem ich zu hundert Prozent vertraue. Kommt hier her. Gott sei Dank. Aber was dann? Er würde hier her kommen, ne Pille fressen und tanzen wollen und ich saß da mit meinen Nussecke-Resten und wollte eigentlich nur noch nach Hause, essen, mich in ne warme Decke einwickeln und von jemandem umarmen lassen. Aber egal. Ich würde das schon schaffen. Zur Not könnte ich mich ja auch irgendwo hinlegen und schlafen. Die da hinten hatten ein Zelt, die ließen mich bestimmt ein bisschen darin liegen. Also los! Sachen gepackt und ihn von der Bahnhaltestelle abholen! Der Weg war nämlich sehr lang. Und den dunklen Wald würde ich schon überstehen! Tschakka!

Ein Goldstück von Mensch

Also stapfte ich los und hatte in dem Moment keine Ahnung, worauf ich mich da einließ. Es war so dunkel, dass ich irgendwann meine Handy-Taschenlampe benutzen musste, um nicht permanent über alles zu stolpern was mir im Weg lag. Es war ganz schön unheimlich, aber Angst hatte ich keine. Zumindest noch nicht. Ich folgte dem Weg zurück, den ich gekommen war, wenn auch sehr viel langsamer, weil Dunkelheit und Optiks mich gleichermaßen verwirrten. Immer wieder hatte ich das Gefühl, mir würde jemand entgegenkommen, doch da war niemand. Dann blieb ich stehen, weil ich die Orientierung verloren hatte. Weit hinten sah ich durch die Bäume das Licht des Bahnübergangs, zu dem ich musste. Doch mein Weg führte davon weg, was mich dazu bewegte, zurück zu gehen und nach der Abzweigung zu suchen, die mich zum Licht führen würde. Doch ich fand sie nicht. Was ich aber sah, als ich wieder umkehrte, waren Gestalten, die sich etwa 100 Meter von mir entfernt an einer Weggabelung befanden. Ich sah genau ihre Bewegungen, es mussten zwei bis drei Personen sein, mit einem Fahrrad. Na endlich! Ich ging siegessicher in die Richtung, voller Enthusiasmus, jemanden gefunden zu haben, der mir die richtige Richtung weist – um dann kurz vorm Ziel zu erkennen, dass es sich da um Knicklichter handelte, die im Baum hingen. Ich wusste nicht so richtig ob mir das jetzt Angst machen sollte oder nicht, so oder so musste ich laut loslachen. Auch wenn mich diese Sinnestäuschung vollkommen verwirrte, hatte sie doch etwas Gutes gehabt, denn sie hatte mich tatsächlich weiter gebracht. Ein paar Meter weiter erkannte ich den richtigen Weg zum Bahnübergang.

Dort angekommen, checkte ich das Navi auf meinem Handy und mir wurde klar, dass die Odyssee nicht ansatzweise überstanden war. Mir wurden noch immer 40 Minuten Fußweg angezeigt und die Richtung gefiel mir gar nicht: an den Gleisen entlang durch die schwärzeste Nacht. Mist! Gleichzeitig wurde mir bewusst, was ich hier eigentlich tat. Ich war im Begriff, meinen besten Freund von der Bahn abzuholen und wieder zurück auf diese Party zu gehen. Dabei wollte ich das gar nicht. Eigentlich wollte ich nur noch nach Hause, in eine dicke Decke eingewickelt und von jemandem umsorgt werden der mich kennt. Ich erkannte, dass ich den ganzen Tag noch niemanden zu Gesicht bekommen hatte, der mich wirklich kennt! Wieder kam dieses Gefühl von Einsamkeit in mir auf und gleichzeitig das schlechte Gewissen, weil ich A. zur Party bestellte obwohl ich eigentlich gar nicht mehr feiern wollte. Ich konnte mir im Leben nicht vorstellen, jetzt noch irgendwas zu konsumieren! Aber ich wollte ihm auch die Party nicht versauen!

Nach ein paar Versuchen, mich dem dunklen Weg zu stellen und vergeblich Menschen anzusprechen, die vielleicht in die selbe Richtung wollten wie ich, traf ich schließlich eine Person, die tatsächlich zur Bahnhaltestelle wollte. Der Typ schlug vor, mein Freund solle sich doch ein Taxi rufen, mit dem der Fremde dann wiederum nach Hause fahren könne. Gesagt, getan, ich schlug A. genau das vor und er willigte ein, nachdem wir die Frage nach Taxigeld geklärt hatten. Und dann warteten wir. Wir saßen an dem Bahnübergang und es fühlte sich an wie Stunden, in denen ich immer mehr vereinsamte und in denen mir mit jeder Minute mehr bewusst wurde, wie wenig Lust ich dazu hatte, zurück zur Party zu gehen. Ich wusste, dass ich mir dann irgendeinen Ort suchen musste an den ich mich zurückziehen konnte. Damit wäre aber niemandem geholfen worden, denn A. hätte mich sicherlich nicht alleine irgendwo in Embryonalstellung liegen lassen. So oder so würde er keine schöne Party haben. Also entschloss ich mich irgendwann, A. einzuweihen und ihn zu bitten mich zu retten. Nachdem er meine Erklärung erst in den falschen Hals bekam und einfach nach Hause fahren wollte weil er dachte ich will ihn nicht dabei haben, telefonierten wir und ich konnte ihm verständlich machen wie es mir ging. Die rettenden Worte kamen.

„Bleib wo du bist, ich komme und bringe dich nach Hause!“

Das waren die schönsten Worte die mir in dem Moment irgendjemand hätte sagen können. Ich fühlte mich sofort besser und erkannte meinen besten Freund als Licht am Ende von Allem. Wir hielten die ganze Zeit per SMS Kontakt und so gab er mir das Gefühl, nicht ganz allein zu sein. Schon irre, wie nah man sich jemandem führen kann, obwohl er Kilometer weit entfernt ist – nur weil man ein paar schwarze Pixel, zu Buchstaben geformt, auf einem Handydisplay sieht. Ich war jedenfalls heilfroh. Das einzige Problem war nun, dass er ewig brauchen würde. Es war mitten in der Nacht und er befand sich noch fast am anderen Ende der Stadt! Wieder Warten.
Es gesellten sich drei andere Typen zu uns, die mit uns nach einer Lösung suchten und versuchten, ein Taxi zu rufen. Dann könnte ich zumindest schon mal ein Stück in Richtung Zivilisation mitfahren. Allerdings hatten wir Pech: Kein Taxiunternehmen ging auch nur ans Telefon, weil in der Stadt eine große Veranstaltung scheinbar sämtliche Taxen für sich beanspruchte. Rätseln. Warten.

Bis eine weitere glückliche Fügung geschah. Ein Pärchen, vielleicht Mitte Dreißig bis Anfang Vierzig, kam von der Party und ging in Richtung Auto. Das bekam ich erst mal gar nicht mit, weil ich ziemlich fasziniert auf den Mond starrte: Mal sah er für mich winzig klein und weit weg aus, mal riesengroß und unnatürlich nah. Dabei war es weniger die optische Wahrnehmung, die sich veränderte, sondern einfach das Gesamtbild in meinem Kopf. Das kann ich nicht wirklich gut beschreiben, denn das Bild das ich sah, veränderte sich ja nicht. Nur mein Eindruck davon. Verrückt.
Ich wurde überraschenderweise von dem Pärchen ein ganzes Stück mitgenommen, bis zu einer Bahnhaltestelle von der aus ich direkt zu meinem besten Freund kam. Halleluja! Diese beiden unglaublich lieben Menschen waren in dem Moment Gottheiten für mich! Und wir fuhren in ihrem Gottheiten-Mobil in Richtung Erlösung! Das teilte ich den beiden auch mit, generell unterhielten wir uns ganz nett aber die beiden merkten auch wie fertig mit der Welt ich war. Sie, die Fahrerin, guckte zwischendurch nach hinten und meinte belustigt „Du bist ja süß“. Ich weiß leider nicht mehr was genau sie dazu bewogen hat das zu sagen, aber irgendwie fühlte ich mich ein bisschen geehrt.
Nachdem wir geparkt hatten, ließ ich die beiden noch in mein Buch schreiben, wo sie mir ein kleines Auto und eine Widmung hinterließen. Ich freute mich ungemein, zwei so nette Menschen kennen gelernt zu haben. Zum Abschied umarmten wir uns und ich drückte noch tausendmal meine Dankbarkeit aus.

An der Bahnhaltestelle wartete ich noch gut eine halbe Stunde, bis die Bahn kam in der mein bester Freund sitzen würde. Wir vertrieben uns etwa zwanzig Minuten damit, zu telefonieren, was mich sehr gut von umherstreunenden „Normalos“ ablenkte und mir die Wartezeit versüßte. Als die Bahn endlich kam, stieg ich ein und bekam schon einen Schock, weil sie total voll war und ich A. nicht entdecken konnte. Stattdessen erblickte ich D., die ebenfalls zu meinem engsten Freundeskreis gehörte und freute mich tierisch, sie zu sehen. Sie und A. hatten sich zufällig in der Bahn getroffen, wie erfreulich! Ich klärte auch sie über meinen Zustand auf und wir unterhielten uns über alles Mögliche, es war insgesamt sehr lustig. Irgendwann stieg sie aus und A. und ich mussten noch zwanzig Minuten fahren. Die Bahn war voller Besoffener, klar, es war Samstagnacht. Wir kriegten uns gar nicht mehr ein über die primitiven Gespräche der anderen Fahrgäste.

Wenig später erreichten wir A.s Wohnung und als ich mich auf sein Bett fallen ließ, fühlte ich mich ja sowasvon angekommen! Endlich! Nach dieser schier unendlichen Odyssee vom See durch die Pampa, in brütender Hitze, alleine durch die Stadt, vorbei an tausend Treppen, mit dem Wohnmobil zur Party, mutterseelenallein durch die Nacht, mit dem Gottheitenmobil und der Bahn, bis ich schließlich von meinem Retter ins Warme, Behagliche gebracht wurde… Es schien mir als sei es Tage her, seit ich diesen unscheinbaren Papierschnipsel unter meine Zunge gelegt hatte. Und nun war ich endlich da. Vollkommen ungeplant. Und meine Erleichterung und Freude konnten nicht größer sein, genau an diesem Ort gelandet zu sein. Mit einem der wenigen Menschen, die mich verstanden und akzeptierten wie ich war. Was dieser Mensch alleine für eine Reise auf sich genommen hatte um mich zu holen! Er hatte sich mehrmals verfahren und sich selbst total gestresst, um so schnell wie möglich bei mir zu sein. Ich war unendlich dankbar. Vor allem auch darüber, dass er mir das mit der Party absolut nicht übel nahm. Im Gegenteil, er meinte sogar, er sei eigentlich nur wegen mir gekommen und es sei ihm egal, wo wir wären, er genieße einfach meine Gesellschaft. Mein Herz geht auf, während ich das schreibe. Das Universum hat mir ein Goldstück von Mensch geschenkt.

Den Abend verbrachten wir damit, GTA zu zocken, Tee zu trinken und er kiffte. Ich zog auch einmal am Joint, merkte aber sofort wie sich die Wirkstoffe von meiner Lunge aus in meinem ganzen Körper verteilten und den Trip sowohl gedanklich als auch optisch wieder ein bisschen ankurbelten – und das von nur einem Zug! Also ließ ich das lieber bleiben. Ich erzählte ihm, was ich an dem Tag alles erlebt hatte und er fragte auch viel (Er hat noch nie ein Psychedelikum genommen). Als wir Hunger bekamen, machte er und Baked Beans und ich schwöre, ich hab nie was Besseres gegessen. Während er kochte, schnappte ich mir seine Gitarre, spielte ein paar Lieder und sang dazu. Ich traf hohe Töne, mit denen ich vorher immer Schwierigkeiten hatte, aber so genau und klar, dass ich mich selbst davor erschrak wie schön meine Stimme klang! Auch er war begeistert, wir beide hatten mich noch nie so gut singen gehört.

Ich landete also sanft wie eine Feder und schlief irgendwann wohlbehütet ein.

Am nächsten Tag fühlte ich mich gut, wir gingen mit der Freundin, die wir tags zuvor in der Bahn getroffen hatten, in einem Naturbad schwimmen, der Tag war sonnig. Insgesamt war ich schon noch etwas gerädert, aber sehr gesprächig. Das ein oder andere Mal, als ich aus dem kalten Wasser kam, hatte ich einen leichten Schwindel, den ich so noch nie hatte. Das machte mir ein bisschen Sorgen, aber das Gefühl beschränkte sich auf ein paar Minuten und kam in den Folgetagen nicht wieder.

Fazit

Der Trip ist nun fast zwei Monate her. Ich hatte seitdem noch zwei Erfahrungen mit jeweils einer halben Pappe (jeweils ca. 50µg).

Ich finde es erstaunlich, wie das andersartige Setting (damit meine ich vor allem die Planung vor dem Trip und die Auswahl des Trippartners) den Verlauf des gesamten Trips beeinflusst hat und wie niedrig meine Hemmschwelle direkt nach dem ersten Mal geworden ist. Die Gegensätze waren aber auch ziemlich krass.

Habe ich beim ersten Trip noch alles von vorne bis hinten vorbereitet und das LSD in einem kontrollierten Umfeld genommen, war mein zweiter Trip vollkommen ungeplant, mit einer fast unbekannten Person, in einem unbekannten Umfeld begonnen worden. Ich habe mich von Alice leiten lassen, viel besser sogar als beim ersten Mal, aber ich konnte mich nicht so fallen lassen wie während des ersten Trips.

Die beiden anderen Erfahrungen mit jeweils einer halben Pappe waren natürlich nicht so intensiv wie die ersten beiden Reisen. Ich muss allerdings sagen, dass es schon einen großen Unterschied macht, ob man draußen oder drinnen trippt, mit welcher Person man auf Reisen geht und ob man am Tag oder in der Nacht konsumiert.
Außerdem habe ich festgestellt, dass 100µg als Initialdosis für meinen ersten trip genau richtig gewählt waren. Die 50µg spürt man zwar deutlich und ich konnte, aufgrund meiner Erfahrungen, mit dem Zustand gut umgehen, aber ich denke, hätte ich diese Dosis als Erstdosis gewählt, wäre ich irgendwo zwischen den Welten gewesen und hätte nichts mit dem Zustand anzufangen gewusst. Lieber direkt richtig eintauchen, als dazwischen zu hängen.

Eine halbe Pappe ist dafür wahrscheinlich eher partytauglich als eine ganze. Das werde ich im nächsten Jahr auch definitiv mal ausprobieren.

Rave safe und Namasté

Advertisements

5 Gedanken zu “Eine total verrückte Reise

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s