Das Leben besteht aus Aufgaben-Katalogen

Ich habe von M. ein wunderschönes Bild zum Geburtstag bekommen, das nun über einem Regal mit Büchern und Holzkisten, und gesäumt von zwei selbst gezogenen Avocado-Palmen, die Wand ziert. Es ist rahmenlos. Auf dem quadratischen Plexiglas sieht man einen Pfad im Laubwald, Sonnenstrahlen fließen durch die Blätter. Der Betrachter steht sozusagen  vor einer Weggabelung.

Dieses Bild ist sehr bedeutungsschwer für mich und auch für M., der diesen Erkenntnisprozess mitgemacht hat. Den wir hatten mit schweren Entscheidungsschwierigkeiten zu tun. Die Lehre haben wir schon lange gezogen:

Es gibt keine falschen Entscheidungen. Egal welche Entscheidung man trifft, man bewegt sich fort, man entwickelt sich. Stillstand ist gleichbedeutend mit Tod.

Es gibt keinen Grund Angst vor den Folgen einer Fehlentscheidung zu haben und sie deshalb nicht zu treffen. Das ist geradezu paradox. Denn eine Fehlentscheidung ist, wenn man es zulässt, auch immer ein Lernprozess und hilft einem, zu dem Menschen zu werden der man sein möchte. Alles ist besser als gar nicht zu entscheiden! Dabei sind speziell persönliche Probleme, die man mit sich selbst hat, oft mit Entscheidungen verbunden – beispielsweise wenn man mit einer Sucht zu kämpfen hat.

Man stellt sich selbst, laut esotherischen Ansichten, immer genau die Aufgaben, die man lösen muss um wachsen zu können. Denn die Welt ist nur Spiegel des eigenen Selbst. Und wenn man eine falsche Entscheidung trifft, ergo das Problem nicht lösen konnte, wird es einem in irgendeiner Form wieder begegnen. Bis man es löst. Ich bin davon überzeugt, dass große Probleme immer aus vielen kleinen, miteinander verbundenen Problemen bestehen. Ich stelle mir das vor wie einen Katalog voller Ja/Nein- und MultipleChoice-Aufgaben, die es zu beantworten gilt. Kreuzt man die falsche Antwort an, verschwindet die Frage und eine neue, ähnliche Aufgabe tritt an ihre Stelle. Aber hat man den Katalog mal durch, macht es *klick* und man ist ganz aufgeregt, denn man wusste schon lange warum man sich immer die selben falschen Partner sucht oder warum man immer nur für andere da ist und nie für sich selbst oder warum man zu viel isst oder warum man die Finger nicht von den Pillen lassen kann oder warum man soziophob ist oder warum man sich selber nicht leiden kann.

Aber plötzlich ist man erleuchtet und es fällt einem nicht mehr schwer, ewas zu vermeiden oder etwas zu tun. Genau so erleuchtet habe ich mich gefühlt, als ich dieses Geschenk bekommen habe, in Form von drei roten, synapsenkitzelnden Schätzchen. Ich bin in den letzten vier Jahren so verdammt oft und verdammt hart auf die Fresse gefallen damit, dass ich nun endlich alle Fragen des Katalogs beantwortet zu haben scheine, und darum fiel es mir auch nicht schwer, sie wegzupacken und ich hege nicht den geringste Zweifel, dass das auch so bleiben wird.

Ich denke diese Metapher kann mir dabei helfen, meine Ziele schneller zu erreichen. Indem ich mir in Momenten, in denen ich nicht weiter komme, die kritische Frage stelle, welche Aufgaben mit einem wiederkehrenden, ungelösten Problem zusammenhängen könnten.

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