Mutter

„Die Mutter ist Gott in den Augen eines Kindes“
-Silent Hill-

Meine Mutter war nicht nur Gott. Sie war Zuhause. Ist es heute noch. Auch wenn mir das nicht immer bewusst war. Wir hatten 10 Jahre lang ein schwieriges Verhältnis zueinander. Ich habe ihr mit meinem Hang zu Sturm und Drang viel Kummer bereitet. Ich fühlte mich immer unverstanden. Unsere Beziehung war alles andere als liebevoll. Das war sie mal gewesen, als ich noch klein war. Aber spätestens als ich alt genug war um die Wochenenden saufend und kiffend mit Punks und Gruftis und Hippies und anderen Gleichgesinnten zu verbringen, wurde es dann schwierig. Die Drogen waren immer Streitthema Nummer eins, damit einhergehend die Faulheit, versteht sich.

Mit war schon immer klar, dass meine Mutter irgendwie cool ist. All meine Freunde mochten sie. Sie war irgendwie immer der Inbegriff des Wortes Mutter. Hatte immer den Überblick. Wusste immer Rat. Kannte sich mit allem aus, wofür ich noch zu jung und zu naiv war. Half mir aus der Patsche, wenn es sein musste. Förderte meine musisch-künstlerische Ader wo sie nur konnte.

Dennoch habe ich erst mit Beginn meines Erwachsenwerdens langsam angefangen zu verstehen und zu würdigen, was sie alles getan hat für mich. Ungefähr ein Jahr lang feilte ich an einer Lobhuldigung an sie. Im Winter 2015 begab es sich dann, dass der richtige Moment gekommen war: die Weiber der Familie standen unter dem von meiner Tante liebevoll getauften „Lieblingbaum“ (das s fehlt mit Absicht!) auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt, den wir alle so lieben, unter dem Einfluss von wasweißichwievielen Glühwein. Mich erfasste plötzlich so eine große Liebe für meine Familie und vor allem für meine Mutter, dass ich, enthemmt und berauscht, nicht anders konnte, als ihr den Text vorzulallen. (Meine Schwester betonte, als ich den für meine Mutter geschriebenen Text ankündigte, immer wieder, er sei auch von ihr. Was nicht stimmte, war aber trotzdem witzig.)

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Wenn es auch nur einen Menschen auf dieser Welt gibt, der meine Dankbarkeit und Hochachtung verdient hat, dann bist das du.
Die Kraft die du aufgebracht hast, als Ehefrau, als Schwester und als Mutter, ist ohne Gleichen.
Du wusstest oft nicht weiter aber kanntest immer den richtigen Weg.
Hast gekämpft und geblutet, als der Krieg längst verloren war.
Hast der Liebe den Rücken gekehrt, nicht weil es einfach gewesen wäre – sondern weil es richtig war.
Dein Herzblut galt allein deinen Kindern.
Und aller Widrigkeiten zum Trotz hast du sogar aus mir einen überlebensfähigen Menschen gemacht.

Du kannst dir nicht vorstellen wie unendlich stolz es mich macht, von einer derart starken Frau großgezogen worden zu sein.
Ich liebe dich.
Das sage ich viel zu selten.
Und ich will dass wir uns mehr umarmen.
Das tun wir nämlich fast nie.
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Sie weinte ein bisschen. Uns allen standen die Tränen in den Augen.

Seit dem Tag umarmen wir uns alle immer wenn wir uns sehen.


Inspiriert von den gleichnamigen Texten von Glumm und tikerscherk.

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