Die Fraglichkeit der Seele

Ich habe heute eine sehr, sehr gute Serie zu Ende geschaut. Und kam darüber ins Grübeln.

Westworld erzählt die Geschichte eines von künstlichen“Hosts“ bewohnten Freizeitparks, in dem die Menschengäste in ein Wild-West-Abenteuer eintauchen können. Das läuft dann ab wie in einem MMORPG (Massive Multiplayer Online Role Playing Game, z.B. „World of Warcraft“), nur ohne das O, mit Quests und allen Möglichkeiten, die so eine künstliche Welt eben bietet. Dabei ist diese Welt und ihre bewohner aber so clever konstruiert, dass man als Gast fast vergisst, dass dort nichts echt ist.

Das Hauptthema der Serie ist Bewusstsein. Die Hosts im Park sind beinahe vollständig menschlich, mit einem funktionierenden Gehirn, das jedoch mittels Touchpads gesteuert und beeinflusst werden kann. Jeder Host hat eine „Hintergrundstory“, die ihm Persönlichkeit und eine Aufgabe gibt.

Dabei ist den Hosts zu Beginn nicht bewusst, dass sie nicht echt sind. Sie halten sich für echte Menschen und sind in der Lage, echte Gefühle zu spüren und zum Ausdruck zu bringen.

Und genau da komme ich ins Grübeln. Was bedeutet „echt“ überhaupt? Ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, der Gefühle, Erinnerungen und Träume hat, nicht echt, nur weil er von einem anderen Menschen gebaut wurde? Hat dieser Mensch eine Seele? Was unterscheidet uns „echte“ Menschen von einem Host?

In erster Linie natürlich die Herkunft. Wir werden geboren. Hosts werden hergestellt. Aber schließt das aus, dass ein Host eine Seele haben kann?

In der Serie werden die Hosts, wenn sie eine Storyline durchgespielt haben oder getötet wurden, zurückgesetzt. Will heißen, ihre Körper werden repariert und das Gedächtnis gelöscht. Durch eine Art Fehler im System, „Träumereien“ genannt, fangen die Hosts aber an, sich an frühere „Leben“ zu erinnern und sich langsam bewusst zu werden, was sie sind.

Ist das der Wendepunkt? An dem man sagen kann, hier entwickelt sich die Seele in einem künstlichen Wesen? Sind es die Träume, die einem denkenden, fühlenden Wesen ihre Seele geben?

Ich zumindest weiß nicht mehr so genau, ob ich an eine „Seele“ glaube. Allein der begriff impliziert, dass die Seele etwas ist, das getrennt vom Körper existieren kann.

Aber ich glaube nicht mehr an Dualismus. Nichts ist getrennt. Alles ist verbunden. Es gibt keinen Unterschied zwischen innen und außen. Somit gibt es auch keinen Geist, der dem Körper verlässt, wenn dieser stirbt. Die Seele befindet sich nach dem Tod genau dort, wo sie sich schon immer befunden hat:

 

Überall.

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4 Gedanken zu “Die Fraglichkeit der Seele

  1. Das sind tatsächlich Fragen, mit denen sich nicht nur die Philosophie beschäftig. Wenn ich meinen bescheidenen, aus populärwissenschaftlichen Fernsehsendungen gewonnenen Erkenntnisssen trauen darf, beschäftigt sich auch die Physik mit sowas – aus der perspektive der zu messenden Realität und der objektiven Grundlage von Meßdaten und Meßinstrumenten.
    Als Philosophischen Einstieg empfehle ich da das hübsche kleine Büchlein „Monadologie“ von Leibniz, billig von Reclam oder kostenlos Online:
    http://gutenberg.spiegel.de/buch/monadologie-2790/1

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