Vollrausch

Jemand läuft durch den Raum, ich wache auf. Bin vollkommen orientierungslos, aber das ist okay, weil mir zumindest klar ist, dass ich auf etwas Weichem liege und zugedeckt bin. Sehr gut. Das Einzige was stört, ist der leichte, aber deutliche, stechende Schmerz irgendwo im Zentrum meines Gehirns. Ich öffne die Augen und mir wird langsam bewusst, wo ich bin. Gleichzeitig fällt mir der säuerliche, pappige Geschmack in meinem Mund auf. Mein Cousin bemerkt, dass ich wach bin und wirft mir ein zerknittertes „Morgen“ entgegen. Wobei „werfen“ es nicht ganz trifft. Das Wort quält sich eher zähflüssig aus seinem Mund und ich glaube, dass es das eigentlich gar nicht wollte, sondern viel lieber noch ne Runde gepennt hätte. Schlagartig wird mir klar, was passiert ist, und Schnippsel des letzten Abends fliegen innerhalb von Sekundenbruchteilen vor meinem inneren Auge vorbei. Dieser Film beinhaltet nur leider weder optische noch auditive Informationen über die Umstände, die mich in diese Wohnung brachten. Scheinbar ist er irgendwo nach einem der Waldmeisterschnäpse (die man trinken kann wie Wasser, weil sie so viel Zucker enthalten, dass man den Alkohol nicht mehr schmeckt) gerissen.

„Hab ichs etwa eschafft, ein Taxi zu rufen?“ frage ich ungläubig, denn meine Erinnerung bleibt an diesem Bild von meiner Tante im Piratenkostüm hängen (nicht so ein billiges, sondern ein richtig gutes, mit Korsett und allem drum und dran), wie sie mir volltrunken mütterlich grinsend 20 Euro in den Ausschnitt steckt mit den Worten „Hier hasse bissn Tacksigeld“, nachdem ich sie nach der Nummer von Frau Hauck frage, einer Mittfünfzigerin, die mit ihrem Minibus -wahrscheinlich illegal- Taxi spielt und deren Nummer nur per Mundpropaganda weitergereicht wird, ein richtiges Insiderding also, da unten im Dorf.

Nicht viel später zerfasert sich der Film dann auch so langsam und zerlegt sich in seine Einzelteile. Oder wird zerlegt. Vom bösen Flimm. Witzig. Ich hatte keinen Filmriss mehr seit ich 18 war. Überhaupt ist das vielleicht der dritte in meinem Leben. Ich will eine rauchen und suche in meiner Tasche nach dem Tabakbeutel, finde ihn nicht. Er liegt auf dem Tisch. Da liegt auch das Döschen in dem ich mein Gras aufbewahre. Ach jaaaa. Ein weiteres Bild schiebt sich in mein Bewusstsein, wie ich mit meiner 17-jährigen Cousine und ihren Freunden an der Bushaltestelle kiffe. Eigentlich kifft nur ihr Freund mit, aber der kifft ohnehin schon jeden Tag, also brauche ich kein allzu schlechtes Gewissen haben.

Das erklärt allerdings nicht, warum das Döschen jetzt auf dem Tisch liegt. Beim Zusammensuchen meiner Dinge (Ich habe nichts verloren, freu) sehe ich auch einen fertig gerollten Tip da liegen. Mein Cousin klärt mich dahingehend auf, dass ich im Vollsuff offenbar noch eine Tüte hatte drehen wollen, der Alkohol mich aber glücklicherweise noch im Sitzen ausgeknockt hat. Das hätte unappetitlich werden können. (Unappetitlich. Ich liebe die deutsche Sprache.)

Als ich durch den beginnenden Morgen zu Bahn laufe, torkele ich tatsächlich ein bisschen und bin noch halb betrunken. Finde es immer witzig, in irgendwelchen Zuständen morgens nach Hause zu laufen, wenn alle anderen arbeiten oder in die Schule gehen. Tatsächlich ist eingetreten, was mir eine liebe Kommentatorin unter einem meiner LSD-Beiträge prophezeite: ich nehme Rauscherlebnisse insgesamt viel bewusster und achtsamer wahr.

Zu Hause angekommen lege ich mich hin, kann nicht schlafen, mache den Laptop an und schreibe. Kanns mir auch erlauben, schließlich habe ich Wochenende. Mein Job is ziemlich geil. 4 Tage Arbeit, 4 Tage frei undsoweiter. Draußen ist es grau und regnerisch, aber dafür hatte ich gestern und vorgestern verdammt guten Sex. Leben ist geil.

Namasté

 

P.S.: Ich hab überall blaue Flecken. Haha, Saufen halt 😀

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4 Kommentare zu „Vollrausch

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