Abgehn

10.03.2017 – 17:00 Microdose LSD 15µg

Wohlige Entspanntheit, während mir der Rücken sehr gekonnt massiert wird. Nicht von einem potentiellen Sexualpartner. Sondern von A, dem schwulen besten Freund. Dem besten Schwuli. Naja eigentlich ist er schon ein potentieller Geschlechtspartner.
Theoretisch.

Aber egal. Der Rauchgetränkte Raum wird in weichen Übergängen in wechselfarbiges Licht getaucht. Der Bass. Einfach der Bass.

Ich fühle mich ein bisschenmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm…

[Anm. der Redaktion: Entspannung drückt mich auf die Tastatur]

…der Welt erhaben. Und schwimme in ihr.

„Das Bedürfnis das ich habe, wenn ich zu dir komme, ist erst mal, Dich zu sehen. Da is mir egal was du machst.“

Ahw. Ich bin ein bisschen verliebt.

Eine Flasche Wein. Der ein oder andere Joint.

Unterschweillige aber deutliche psychedelische Effekte, zu viel für den Alltag aber interessant für diesen Abend.

Die beste Freundin seit immerschon, J. kommt an und fragt erst mal nach der Platte. So heißt bei uns das Teil, auf dem das Speed gegebenenfalls getrocknet und dann kleingehackt und gezogen wird. Bei mir ist das eine 15×15 cm große Spiegelkachel.

Wir belästigen also unsere Nasenschleimhäute und Rachen mit Ekel-Bah. Es kommt mir vor als schmecke es besonders widerlich und bleibt auch bei der einen Line.

 Die Vorfreude steigt. Der Weg zur Location scheint endlos, obwohl wir nur 40 Minuten unterwegs sind.

ca. 00:00
Viele unbekannte Gesichter. Ich laufe einmal jedes Grüppchen ab und begrüße die wenigen, die ich schon lange kenne. Keine der Unterhaltungen geht über ein

„Na, lange nicht gesehen, Wie gehts dir?“
„Jau, ganz gut, und selber?“
„Läuft.“
schweigen.
„Na dann bis später.“

hinaus.

Eine Taschenkontrolle und 17 Treppenstufen später kriecht feinster Psytrance unter die Haut und euphorisierendes MDMA durch die Wirbelsäule hinauf.

Wie erfülend es sein kann, in einem Club voller zugedröhnter Vollidioten ein paar kleine Lichtwesen zu treffen, die einen später von einer geilen Party reden lassen.

O

ca. 16 Stunden später

Die Gruppe wurde um 3 Mitglieder reicher und residiert nun in J.s Wohnung. Ganz wenig Alkohol, ein bisschen Ecstasy und ein bisschen mehr MDMA-Kristalle ziehen ihre letzten Runden in den Blutbahnen. Rücken und Füße beschweren sich. Lunge auch. Und Kopf. Eigentlich alles. Trotzdem zufriedenes, dümmliches und ab und zu verschmitztes Lächeln.

Eins der neuen Mitglieder war nicht feiern und somit ausgeschlafen, spricht so gut wie gar nicht und ich kann bis zum Ende nicht einschätzen, ob es uns amüsant oder gruselig findet.

 11.03.2017 – 17:30 weitere 30µg LSD.

Die Effekte sind nicht halb so deutlich wie einen Tag zuvor, aber was habe ich auch erwartet. Meine Intention ist ja keine tiefgreifende psychedelische Erfahrung. Sondern eine Erfahrung.

Mir fällt auf, wie extrem unterschiedliche Konsummuster meine Freunde haben.
J. ballert bis zum Gehtnichtmehr und so lange, bis sie einfach einschläft vor Erschöpfung.
A. hört immer im ungünstigsten Moment auf zu ballern und stirbt dann tausend Tode, weil er sich weigert, Nahrung aufzunehmen.
Von den anderen will ich jetzt nicht anfangen. Die waren nicht dabei und deren Konsum ist sowieso ne ganz andere Geschichte.

Die Mischung von Speed, MDMA und LSD löst bei der besten Freundin den berühmt-berüchtigten Scheißelabermodus aus. Schluckauf im Sprachzentrum, wenn man so will. Alle anderen Acidheads lassen sich anstecken. Die Gruppenmitglieder, die kein Psychedelikum intus haben, wissen stundenlang nicht, was sie sagen sollen. Veriwrrung ist groß. Bei allen.
Mir wird bewusst, dass sie irgendwann nur noch da sitzen oder liegen und konsumieren. Aber keine Drogen. Sondern uns.

Ich bin den ganzen restlichen Abend und den kompletten Sonntag sehr entspannt. Mir geht es gut. Kein allzu großer Kater, trotz der unüberschaubaren Menge MDMA.

Ich freue mich des Lebens und der Menschen in meinem Umfeld.

Ich freue mich meiner Wohnung.

Ich freue mich meines Abstands zur Szene und den ganzen verlorenen Seelen, die ich so gerne retten würde.

Ich freue mich der Musik, die mich jeden Tag begleitet.

Und ich freue mich, jetzt ausgelastet zu sein und erst mal genug zu haben von Party und Ballern. Irgendwann muss man ja mal wenigstens ein bisschen erwachsen werden.


In Liebe

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